Blog der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft

dgemg logo

 

Herausgeber: 
Deutsche Gemmologische Gesellschaft e.V.
Prof.-Schlossmacher-Str. 1
D-55743 Idar-Oberstein

 

Copyright:
Für alle Beiträge behält sich die Deutsche Gemmologische Gesellschaft (Deutsche Gesellschaft für Edelsteinkunde) e.V. sämtliche Rechte vor, insbesondere die des Nachdrucks, der Übersetzung in andere Sprachen und der photomechanischen Wiedergabe. Die veröffentlichten Beiträge stellen – soweit namentlich bezeichnet – die Auffassung der Autoren dar und geben nicht notwendig die Meinung von Herausgeber und Schriftleitung wieder. (Content of this journal may not be reproduced in any form without the permission of the German Gemmological Association. Opinions expressed do not necessarily reflect the views of the Association.)

Das Deutsche Gemmologische Ausbildungszentrum heute. Foto Hosser.

Die Deutsche Gemmologische Gesellschaft e.V. (DGemG) wurde im Jahr 1932 als Deutsche Gesellschaft für Edelsteinkunde e.V. vom Idarer Edelsteinhändler und Gemmologen Georg O. Wild zusammen mit Kollegen aus der Edelstein- und Schmuckbranche und der Wissenschaft gegründet. Diese Gründung – nahezu zeitgleich mit entsprechenden Gründungen in den USA und Großbritannien – war eine Reaktion der Edelsteinbranche auf die großen Herausforderungen, die beispielsweise die Herstellung synthetischer Rubine für die Glaubwürdigkeit der gesamten Edelstein- und Schmuckbranche mit sich brachte.

Eines der wichtigsten Ziele der Gesellschaft war die Organisation von Edelsteinkursen für Mitglieder der Edelstein- und Schmuckindustrie, die Verbreitung gemmologischen Wissens und letztlich die Stärkung des Vertrauens in die Echtheit der Produkte. Bereits 1935 führte Georg O. Wild gemmologische Fachlehrgänge durch, die in der Gewerbehalle in Idar stattfanden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Deutsche Gesellschaft für Edelsteinkunde im Jahre 1951 wiederbegründet. Den Vorsitz der Gesellschaft übernahm der Idar-Obersteiner Edelsteinkaufmann Hans P. Caesar. In enger Zusammenarbeit mit Professor Dr. Karl Schlossmacher, der auch Leiter des Instituts für Edelsteinforschung der Universität Mainz in Idar-Oberstein war, gelang der grundlegende Neuaufbau. Prof. Schlossmacher führte auch die praxisorientierten Kurse in der Gewerbehalle weiter. Im Mittelpunkt der Lehrgänge stand sowohl für Georg O. Wild als auch für Prof. Schlossmacher die praktische Gemmologie: die zerstörungsfreie Bestimmung der Edelsteine und ihre Unterscheidung von Synthesen und Imitationen mithilfe gemmologischer Geräte.

In den 1960er Jahren wurden die Forderungen der Edelstein- und Schmuckindustrie nach einer systematischen gemmologischen Ausbildung für den Nachwuchs immer lauter. Es war offensichtlich, dass der Bedarf an gemmologischen Kursen nicht mehr „nebenbei“ gedeckt werden konnte.

1967 wurde ein umfassendes ganztägiges Lehrgangsangebot in Kombination mit Fernlehrgängen konzipiert, ergänzt um eine neue Ausbildungs- sowie Teilnahme- und Prüfungsordnung.

1968 übernahm Prof. Dr. Hermann Bank den Vorsitz der Gesellschaft und führte zusammen mit Dr. Godehard Lenzen als 2. Vorsitzendem und Geschäftsführer eine grundlegende Systematisierung der gemmologische Lehrgänge in drei Aus- und Weiterbildungsprogramme durch: Edelsteinkunde (Gemmologie), Diamantenkunde und Perlen/organische Substanzen. Im gleichen Jahr wurde zur Hervorhebung der internationalen Bedeutung die Gesellschaft in Deutsche Gemmologische Gesellschaft e.V. umbenannt.

Im Zeitraum 1972/1973 wurden die Bildungsprogramme weiter reformiert, speziell im Bereich der Diamantengraduierung. Dies hatte eine enorme Zunahme der Anzahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus aller Welt zur Folge und die Räumlichkeiten der traditionellen Gewerbehalle erfüllten die Anforderung an ein modernes Lehrgangswesens nicht mehr. Ein Neubau wurde konzipiert, auch als Voraussetzung der Domizilisierung der Gesellschaft in der Edelsteinmetropole Idar-Oberstein.

Mit finanzieller Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz und der Bundesanstalt für Arbeit sowie der Stadt Idar-Oberstein, die das Grundstück am Dietzenwald in Idar zur Verfügung stellte, wurde der Neubau erstellt und 1975 als Deutsches Gemmologisches Ausbildungszentrum feierlich eingeweiht. Die Leitung übernahm Dr. Godehard Lenzen und die Anerkennung der gemmologischen Bildungsgänge durch die Bundesanstalt für Arbeit ermöglichte die Unterbezeichnung „Deutsches Berufsfortbildungswerk für Edelsteinkunde“. Die Zuwegung zum neuen Ausbildungszentrum wurde zu Ehren des Nestors der deutschen wissenschaftlichen Gemmologie Prof.-Schlossmacher-Str. benannt.

Die moderne Ausstattung diverser Lehrsäle ermöglichte eine zeitgemäße, praxisorientierte Aus- und Weiterbindung in Edelsteinkunde, Diamantenkunde und Perlen/organische Substanzen. Weiterhin umfasste das Gebäude eine Werkstatt für Schleifkurse sowie eine Cafeteria und großzügige Verwaltungsräume.

Grundlegend für die praxisorientierten und auf die Anforderungen der Branche zugeschnittenen Lehrgänge waren eine moderne instrumentelle Ausstattung und eine umfangreiche Lehrsammlung sowie aktuelles Lehrmaterial in Form von lehrgangsbegleitenden Skripten und Fachbüchern.

 

 Abb. 2 DGemG Schau-, Lehr- und Referenzsammlung der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft e.V. Foto Heike Rost.

 

Die steigende Nachfrage nach fachlicher Weiterbildung ließ die Zahl interessierter Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmer Anfang der 1980er Jahre auf über 2.000 ansteigen, was eine Erweiterung des Gebäudes notwendig machte, die bereits bei der Planung des ersten Bauabschnitts vorgesehen war und ebenfalls durch die Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz ermöglicht wurde. Der neue Trakt wurde 1985 fertiggestellt und umfasste neben neuen Lehrsälen auch mehr Platz für die Verwaltung und einen Raum, der für die Sammlung vorgesehen wurde. Die nun zur Verfügung stehenden großzügigen Räumlichkeiten ermöglichten den Umzug der bis dahin noch teilweise in der Gewerbehalle ansässigen praktischen Lehrgänge in das Deutsche Gemmologische Ausbildungszentrum in der Prof.-Schlossmacher-Str. Auch das Labor der 1969 eingerichteten Deutschen Stiftung Edelsteinforschung (DSEF) – Karl-Schlossmacher-Stiftung - fand im Neubau sein Domizil.

Mit der Erweiterung des Ausbildungszentrums wuchs die internationale Bedeutung. Die Lehrgänge, die seit 1982 auch in englischer Sprache, zwischenzeitlich auch in Französisch angeboten wurden, brachten bis heute Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehr als 80 Ländern nach Idar-Oberstein.

1986 wurde die Fachmitgliedschaft F.G.G. (Fachmitglied der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft bzw. Fellow of the German Gemmological Association) eingeführt, eine international hoch angesehene Qualifikation für Absolventen der Bildungsgänge am Deutschen Gemmologischen Ausbildungszentrum, die auch die Verpflichtung zur ständigen fachlichen Weiterbildung beinhaltet.

Eckpfeiler der erfolgreichen Entwicklung des Ausbildungszentrums waren und sind Kooperationen mit diversen Institutionen der Branche und der Wissenschaft im In- und Ausland. Hierzu zählen u.a. die Juweliersvereinigung in Polen, Handels- und Bergbauministerien sowie Universitäten in zum Beispiel in Sri Lanka, Tansania, Kenia, Namibia, Pakistan und Brasilien, Goldschmiedeschulen in verschiedenen deutschen Städten und vieles mehr.

1992 übernahm Dr. Ulrich Henn die Geschäftsführung der DGemG und die Leitung des Ausbildungszentrums. Die Bildungsgänge wurden weiter den aktuellen Anforderungen angepasst, da neben der breiten Palette von synthetischen Steinen und deren Unterscheidung von natürlichen Steinen insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren die Inhalte der gemmologischen Lehrgänge beherrschten, sich der Fokus in den 1990er Jahren auf die immer mehr im Handel anzutreffenden künstlich eigenschaftsveränderten Steine und deren routinemäßige Erkennung richtete.

1993 erfolgte die Einrichtung des Herzstücks des Ausbildungszentrums, die Schau-, Lehr- und Referenzsammlung der DGemG, in der bereits bei der Erweiterung des Gebäudes vorgesehenen Räumlichkeit.

1996 war die DGemG maßgeblich an der Gründung der Federation for European Education in Gemmology (FEEG) beteiligt und zahlreiche Absolventinnen und Absolventen der gemmologischen Bildungsgänge am Ausbildungszentrum in Idar-Oberstein haben seither die Prüfung zum European Gemmologist (EG) erfolgreich abgelegt.

1997 wurden spezielle Kompakt- und thematisch abgegrenzte Sonderseminare sowie ein spezieller Lehrgang „Wissenschaftliche Gemmologie“ eingeführt.

Im Jahr 2000 wurde Dr. Thomas Lind zum Präsidenten der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft gewählt und begann zusammen mit einem neuen Vorstand und dem Geschäftsführer Dr. Ulrich Henn, die Gesellschaft programmatisch für das neue Millennium aufzustellen, speziell die Darstellung der Institution und des Ausbildungszentrums nach außen, Aufbau und Förderung internationaler Kooperationen mit Handelsorganisationen, speziell ICA und CIBJO, sowie die weitere Reformierung des Seminarwesens, Modernisierung der instrumentellen Ausstattung und Digitalisierung der Lehrmittel und Lehrsysteme. Hinzu kamen umfangreiche Renovierungen und teilweise Neugestaltung des DGemG-Gebäudes in der Prof-Schlossmacher-Straße (Lehrsäle, Konferenzraum, Cafeteria, Eingangsbereich, Terrasse).

Mit Beginn der 2000er Jahre stellten sich dem Wirtschaftsbereich Edelsteine und Schmuck eine ganze Reihe von neuen Herausforderungen: Authentizität, Nomenklatur und Standards, Fair Trade, Konfliktminerale, Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und Blockchain wurden aktuelle und viel diskutierte Themen, auch aus gemmologischer Sicht. Somit rückte neben der grundlegenden Edelsteinuntersuchung die Herkunftsbestimmung immer mehr in den Blickpunkt der gemmologischen Aus- und Weiterbildung.

Aber auch neue Synthesen und andere Nachahmungen sowie die technische Weiterentwicklung der Behandlung von Edelsteinen führt zu immer weiteren Herausforderungen in Theorie und Praxis, insbesondere die enorme Zunahme von synthetischen Diamanten, die zudem die Entwicklung und Einführung neuer Untersuchungstechniken notwendig machte. Hierzu müssen die instrumentelle Einrichtung und auch die Sammlung ständig modifiziert werden, aber auch die Lehrmittel angepasst werden.

2009 wurde die Deutsche Gemmologische Gesellschaft als Träger für berufliche Weiterbildungsmaßnahmen zertifiziert. Daneben führte sie ein Qualitätsmanagement zur Entwicklung, Planung und Durchführung gemmologischer Seminare nach DIN EN ISO 9001 ein.

2022 wurde Dr. Tom Stephan, der bereits seit 2014 in Forschung und Lehre für die DGemG tätig ist, stellvertretender Geschäftsführer und übernahm 2024 die Geschäftsführung der Gesellschaft und die Leitung des Deutschen Gemmologischen Ausbildungszentrums.

 

Abb. 3 DGemG neu.JPGPräsident, Geschäftsführer und Belegschaft der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft e.V. (DGemG) und Deutschen Stiftung Edelsteinforschung – DSEF German Gem Lab. Foto Hosser.

 

Die Edelstein- und Schmuckindustrie steht vor zunehmend komplexen Herausforderungen. Diese haben sich im Laufe der Jahrzehnte verändert – von synthetischen Rubinen und Saphiren mit immer besseren Herstellungsverfahren über komplexe Behandlungsmethoden für natürliche Edelsteine, darunter Hochtemperatur- und Diffusionsbehandlungsverfahren, bis hin zu den heutigen Debatten um synthetische Diamanten und deren Vermarktung, die sowohl in der Fachwelt als auch in den öffentlichen Medien im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen.

Unverändert bleibt die Tatsache, dass Fachleute nur mit einer soliden Ausbildung die gemmologischen Aspekte dieser Herausforderungen für die Edelstein- und Schmuckindustrie zuverlässig angehen und ihre Kunden vertrauensvoll beraten können.

Von Anfang an hat die enge Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen der Edelsteinindustrie und der Wissenschaft entscheidend zur Weiterentwicklung der Gemmologie beigetragen, und dies zeigt sich auch in der Zusammenarbeit mit Branchenverbänden.

Das Seminarangebot wurde ausgeweitet, speziell durch Einführung und Weiterentwicklung von themenbezogenen Sonderveranstaltungen, z.B. Wissenschaftliche Methoden in der Gemmologie oder Erkennung von synthetischen Diamanten in Form von Crash-Kursen im Ausbildungszentrum, aber auch am Standort diverser Verbände und Firmen.

 

Abb. 4 DGemG Praktische Ausbildung internationaler Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Deutschen Gemmologischen Ausbildungszentrum in Idar-Oberstein. Foto Heike Rost.

 

Voraussetzung für die erfolgreiche, praxisorientierte gemmologische Aus- und Weiterbildung am Deutschen Gemmologischen Ausbildungszentrum in Idar-Oberstein ist die Kombination aus eigener Forschung und Lehre.

Die Forschung wird zum Teil in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Edelsteinforschung und Institutionen der Grundlagenforschung, speziell dem Institut für Edelsteinforschung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, durchgeführt. Die ständige Weiterentwicklung der Lehre ermöglicht einen optimalen, zeitgemäßen und an die Erfordernisse des Wirtschaftsbereichs Edelsteine und Schmuck ausgerichteten Wissens- und Technologietransfer.

Eine wichtige Rolle spielt die ausgezeichnete internationale Vernetzung der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft, wie z.B. der International Gemmological Conference (IGC), der Federation for European Education in Gemmology (FEEG) und der World Jewellery Confederation (CIBJO).

Letztlich lässt sich die erfolgreiche Tätigkeit der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft in Idar-Oberstein auf dem Gebiet der gemmologischen Aus- und Weiterbildung an nüchternen Zahlen messen: Seit Gründung der Gesellschaft haben mehr als 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 80 Ländern die Fachseminare und Bildungsprogramme der DGemG besucht.

 

Autoren

Dr. Ulrich Henn und Dr. Thomas Lind
© 2025