Der Name lapis bedeutet im Lateinischen Stein. Lazuli leitet sich vom mittellateinischen Wort lazulum = Blau ab und wurde von dem Persischen lazluward = Blau bzw. Arabischen lāzaward, was himmelblau bedeutet, übernommen. In der deutschen Sprache entwickelte sich daraus der Name Lasurstein.
Lapis lazuli ist im eigentlichen Sinne ein Gestein, und zwar ein körniges Aggregat aus dem Hauptbestandteil Lasurit sowie weiteren Gemengteilen wie Pyrit, Wollastonit, Glimmer, Hornblende etc. Häufig ist Lapis lazuli mit weißem Calcit durchsetzt.
Eine Edelsteindose, sowie eine Ente, gefertigt aus Lapis lazuli. Sammlung U. Henn, bzw. Deutsches Edelsteinmuseum, Fotos: U. Henn, DGemG
Die bedeutendsten Vorkommen von Lapis lazuli befinden sich in Afghanistan bei Sar-e-Sang in der Provinz Badachschan. Die dortigen Minen waren schon 5000 v. Chr. bekannt und lieferten über Jahrtausende Material nach Persien, Mesopotamien, Assyrien, Ägypten und in andere Kulturbereiche. Die symbolische Bedeutung des blauen Schmucksteins zeigt sich bei der goldenen Totenmaske des Tutanchamun, die zahlreiche Lapis lazuli-Einlagen enthält. Im alten Ägypten symbolisierte der tiefblaue Edelstein den Nachthimmel und sollte Weisheit und Einsicht verleihen.
Im Mittelalter spielte Lapis lazuli als Pigment für leuchtendblaue Malerfarben eine außerordentliche Rolle. Es war sehr wertvoll, da es von Händlern „über das Meer“, lateinisch ultramarinus, ins Abendland gebracht wurde. Hieraus entstand der noch heute gebräuchliche Name Ultramarin. Handelszentrum war Venedig. Neben der Verwendung durch berühmte Kunstmaler, z.B. in der Buch- und Kirchenmalerei sowie für Fresken, wurde das dunkelblaue Pigment in der Renaissance zur Färbung von Fayence-Fliesen und bis in die Neuzeit für keramische Erzeugnisse, wie beispielsweise Meißner Porzellan des 18. Jahrhunderts verwendet. Im 19. Jahrhundert wurde dann immer mehr auf synthetisches Ultramarin zurückgegriffen.
Kette aus Lapis lazuli aus der Sammlung der DGemG. Foto: B. Huaysan, DGemG
Schmuck und Kunstobjekte mit Lapis lazuli finden sich in zahlreichen Sammlungen und Museen. In der französischen königlichen Sammlung in der Gallerie d´Appolon im Louvre befindet sich ein Steingefäß aus der Sammlung von Ludwig dem XIV. Es handelt sich um ein aus Lapis lazuli gefertigtes Objekt, das ein Schiff des römischen Meeresgottes Neptun darstellt.
Auch im englischen Kronschatz befindet sich eine Schatulle aus Goldplatten und Säulen aus Lapis lazuli, ein Geschenk des afghanischen Emirs an Queen Victoria. Aus dem Hause Fabergé in St. Petersburg stammt eine Ostereikreation, die zwischen1885 und 1890 aus Lapis lazuli, Emaille und Gold mit Perlen, Diamanten und Rubinen geschaffen wurde.
Der größte Lapis lazuli-Monolith wog 18,3 Tonnen und stammte aus Chile. Aus ihm wurde von dem österreichischen Bildhauer Hans Muhr der Wasserwellen-Lebens-Brunnen gestaltet, der 1998 auf der Weltausstellung in Lissabon präsentiert wurde und heute in Wien neben dem Bundeskanzleramt steht. Neben der Verwendung in Schmuckstücken und Objekten spielt Lapis lazuli auch als Zifferblätter für hochwertige Uhren eine große Rolle.
Autor
Dr. Ulrich Henn, DGemG
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