Blog der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft

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Deutsche Gemmologische Gesellschaft e.V.
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Schon in der Antike kannte man den wegen seines blauen bis weißen Lichtschimmers, der an den geheimnisvollen Schein des Mondlichtes erinnert, begehrten Edelstein. Plinius (55 n. Chr.) nannte ihn Selenites und in einer Übersetzung aus dem Jahr 1765 findet man den Hinweis: „Der Mondstein leuchtet aus dem Weißen mit einem honiggelben Glanze, hält die Gestalt des Mondes in sich …“. Die Bezeichnung Selenites, im Deutschen Selenit, stammt von dem griechischen selene und bedeutet Mond.

Anmerkung: ab dem 18. Jahrhundert verbreitete sich der Name Selenit für Gips in Form großer, klar durchsichtiger Kristalle (sogenanntes Marienglas).

 

Abb. 1 mit LogoAbb. 1: Mondsteine – Ketten und Cabochons in den häufigsten Farben mit typischem Adularisieren. Größe des oberen Cabochons 25 x 18 mm. Sammlung DGemG, Foto Q. Wang

 

Als Mondstein bezeichnet man im Allgemeinen Feldspäte, speziell Kalifeldspäte, die den besonderen, oft als geheimnisvoll beschriebenen gleichnamigen optischen Effekt aufweisen, d.h. den Mondsteineffekt oder Adularisieren. Es handelt sich dabei um einen blauen bis weißen Lichtschimmer, der durch Streuung des Lichts an feinen Entmischungslamellen verursacht wird.

Die klassischen Vorkommen von Mondsteinen, die bis heute von kommerziellem Interesse sind und qualitativ hochwertige Steine liefern, befinden sich in Sri Lanka, dem ehemaligen Ceylon und in diversen Bundesstaaten Indiens. Ceylon-Mondsteine sind farblos bis weißlich und klar durchsichtige Steine mit einem auffälligen blauen, wogenden Lichtschimmer sind besonders begehrt. Die indischen Mondsteine sind meist wenig transparent, besitzen aber eine breite Palette von Farben, die sich von weiß bis grau über grün oder bräunlich bis hin zu rötlich und orange erstreckt.

Seit Anfang der 2000er Jahre liefert das ostafrikanische Land Tansania farblose bis weißliche Mondsteine, die einen kräftigen blauen Lichtschimmer besitzen und den klassischen Ceylon-Mondsteinen sehr ähnlich sind.

Aus den Alpen stammt der sogenannte Adular, ein farbloser bis weißlicher Kalifeldspat, der teilweise einen schönen Mondsteineffekt besitzt und daher dann auch als alpiner Mondstein bezeichnet wird. Der Name Adular bezieht sich auf „Mons Adula“, einen Begriff, der früher für das gesamte Gotthardmassiv in der Schweiz benutzt wurde.

Seit der Antike war über Jahrhunderte die Bezeichnung Selenit gebräuchlich, bis Ende des 18. Jahrhunderts der Name Mondstein bedeutend wurde. Aber auch Adular war in der edelsteinkundlichen Literatur als Oberbegriff anzutreffen, beispielsweise in der Edelsteinkunde von Emil Kluge aus dem Jahr 1860, in der er den Mondstein als durchsichtigen bis leicht milchigen Adular mit weißlichen, oft bläulichen oder grünlichen Schattierungen beschreibt. Weiterhin stellt er die besondere Qualität der alpinen Steine heraus: „Diejenigen von Ceylon zeigen einen inneren Silberschein, während die aus den Alpen einen prachtvollen wasserblauen Lichtschein haben.“, und erwähnt ferner: „Beim Fassen setzt man den Adular gewöhnlich in einen schwarzen Kasten, weil er hier am besten das Farbenspiel zeigt, und umgibt ihn mit Diamanten, deren brennende Strahlen bewunderswürdig mit dem wogenden inneren Silberschein des Adulars contrastieren.“

 

 

BH Lapiskette 2 mit LogoAbb. 2: Mondsteingravur mit kräftigem, blauem Adularisieren. Durchmesser 16 mm. Sammlung Herbert Klein OHG, Idar-Oberstein. Foto Q. Wang

 

 

Große Beliebtheit erlangte der Mondstein im 19. und 20. Jahrhundert, beispielsweise in England in der Victorianischen und Edwardischen Epoche sowie in Frankreich im Art Deco und in Deutschland zur Zeit des Jugendstils. Markant aus diesen Epochen sind Colliers, Anhänger, Armbänder, Ohrschmuck, Ringe und Broschen mit Mondsteinen, oft kombiniert mit blauen Saphiren und Diamanten, wie beispielsweise die Brosche „La Medusa“ von Jean Schlumberger für Tiffany & Co.

In den 1960er Jahren zur Zeit der Flower-Power-Bewegung war Silberschmuck mit Mondsteinen sehr beliebt und in den 1990er Jahren ließen sich Schmuckdesigner des New Age von der besonderen Wirkung des Mondsteins inspirieren.

Von historischer Bedeutung sind u.a. die Türkis-Mondstein-Tiara der Großherzogin Eleonore von Hessen sowie die Mondstein-Diamant-Tiara von Marie von Orleans, Prinzessin von Dänemark.

Schmuckstücke mit Mondsteinen erzielen auch Höchstpreise bei Verkäufen internationaler Auktionshäuser, speziell aufwendiger Antik- und Vintage-Schmuck berühmter Designer und Juweliere (Fabergé, Eugene Feuillatre, Alexis Falize, Fred Leighton, Tiffany & Co., Cartier).

 

Abb. 3 mit LogoEin feiner transparenter Regenbogenmondstein aus Madagaskar. Sammlung Werner Wild e.K., Idar-Oberstein, 6 ct, Foto: Q. Wang

 

 

Heute findet man im Handel große Mengen von sogenanntem Regenbogen-Mondstein, der im eigentlichen Sinne kein klassischer Mondstein, d.h. kein Kalifeldspat ist, sondern ein Labradorit, der neben einem mehr oder wenig ausgeprägten bunten Flächenschiller, dem Labradorisieren, auch einen meist schwachen Mondsteineffekt zeigen kann. Herkunft der teilweise klar durchsichtigen, farblosen, meist aber mehr durchscheinenden, weißlichen Steine ist in erster Linie Indien, aber auch Madagaskar.

Mondstein ist der Stein des Monats Juni.

 


Autoren

Dr. Ulrich Henn und Qi Wang, DGemG
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