Blog der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft

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Deutsche Gemmologische Gesellschaft e.V.
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Für alle Beiträge behält sich die Deutsche Gemmologische Gesellschaft (Deutsche Gesellschaft für Edelsteinkunde) e.V. sämtliche Rechte vor, insbesondere die des Nachdrucks, der Übersetzung in andere Sprachen und der photomechanischen Wiedergabe. Die veröffentlichten Beiträge stellen – soweit namentlich bezeichnet – die Auffassung der Autoren dar und geben nicht notwendig die Meinung von Herausgeber und Schriftleitung wieder. (Content of this journal may not be reproduced in any form without the permission of the German Gemmological Association. Opinions expressed do not necessarily reflect the views of the Association.)

 

Sammelbild 1Abb. 1: Zwei facettierte Serpentine (Antigorit) aus der Sammlung der DGemG. Fotos: U. Henn, DGemG

 

Schon in der Jungsteinzeit fertigte man verschiedene dekorative Gegenstände aus dem grünen, undurchsichtigen bis durchscheinenden, relativ weichen und somit gut bearbeitbaren Serpentin. In den Kulturepochen Mesopotamiens und Ägyptens erfolgte die Verwendung als Schmuckstein für Siegel und Amulette sowie zur Herstellung diverser Gefäße. Große Bedeutung hatte der Stein bei den Maori, den Ureinwohnern Neuseelands, sowie in Indien für die Fertigung heiliger Gegenstände und in der Renaissance verbreitete sich sein Gebrauch für Verzierungen in der Architektur. Heute erfolgt die Verwendung von Serpentin als Schmuckstein aufgrund seiner Ähnlichkeit zu Jade. Geschliffen werden insbesondere Cabochons und Ringsteine, Kugeln für Ketten sowie Trommelsteine. Weiterhin findet das Material Verwendung für Gravuren und dekorative Objekte. Durchscheinende Steine können auch facettiert werden (Abb. 1).

Der Name Serpentin stammt vom lateinischen serpens = Schlange und bezieht sich wahrscheinlich auf die teilweise schlangenhautähnliche Zeichnung und Farbverteilung des Minerals. Die Serpentine bilden eine Untergruppe der Kaolinit-Serpentinit-Gruppe und umfassen eine Serie von Schichtsilikaten mit der chemischen Formel Mg3(Si2O5)(OH)4, die monoklin kristallisieren. Die Kristallstruktur besteht aus verknüpften SiO4-Tetraederschichten und MgO2(OH)4-Oktaederschichten, die hinsichtlich ihrer Anordnung Unterschiede aufweisen. Magnesium kann unter anderem durch Eisen, Mangan oder Nickel teilweise diadoch ersetzt werden, Silizium durch Aluminium.

 

Die wichtigsten Serpentinminerale mit abweichenden Schichtstrukturen sind:

Antigorit (Blätterserpentin): besteht aus ebenen Schichten. Name: nach einem Vorkommen im Antigoriotal in Piemont, Italien.

Lizardit: besteht aus wellenförmigen Schichten. Name: nach einem Vorkommen auf der Halbinsel Lizard in Cornwall in England.

Chrysotil (Faserserpentin): besteht aus gewundenen Schichten. Name: vom griechischen chrysos = Gold und tilos = Faser.

 

 

Die Serpentinminerale besitzen eine Härte von 2½ – 3½ und eine vollkommene Spaltbarkeit. Die Dichte beträgt 2,50 – 2,60 g/cm3.

Die Werte für Lichtbrechung und maximale Doppelbrechung betragen: nx = 1,529 – 1,567,

ny = 1,530 – 1,573, nz = 1,537 – 1,574, Δn = 0,004 – 0,009, zweiachsig positiv.

 

Die Werte der einzelnen Serpentinminerale sind in Tabelle 1 angegeben:

Tabelle 1: Lichtbrechungsindizes und maximale Doppelbrechung der Serpentinminerale Antigorit, Lizardit und Chrysotil.

 

Antigorit

Lizardit

Chrysotil

nx

1,555 – 1,567

1,538 – 1,554

1,529 – 1,559

ny

1,560 – 1,573

1,546 – 1,560

1,530 – 1,564

nz

1,560 – 1,574

1,546 – 1,560

1,537 – 1,567

Δn

0,004 – 0,009

0,008

0,008

 

 

Die Bestimmung der Serpentinminerale kann auch mit Hilfe von Ramanspektren erfolgen (vgl. RINAUDO et al., 2003). Die charakteristischen Peakmaxima eigener Messungen mit dem GemmoRaman 532 der Firma MAGI sind in Tabelle 2 zusammengefasst und die Spektren von Antgorit aus Australien und Lizardit aus Rumänien in Abb. 2 dargestellt.

 

 

Tabelle 2: Peakmaxima in den Ramanspektren von Antigorit, Lizardit und Chrysotil (in cm-1).

Antigorit1

Lizardit2

Chrysotil3

1045 – 1050

680 – 690

370 - 380

1085 – 1098

690 – 695

385 - 390

1105

690

615

445

1 Antigorit aus Australien, China; „New Jade“ aus China; „Chytha“-Serpentin aus Simbabwe; „Silberaugen“-Serpentin aus Australien; „Spiderweb“-Serpentin aus USA

2 Lizardit aus Rumänien; „Connemara“ aus Irland

3 Chrysotiladern im sogenannten „Silberaugen“-Serpentin

 

Meist wird Serpentin derb angetroffen, in der Regel in Form von undurchsichtigen bis durchscheinenden mikrokristallinen Aggregaten, die oft eine Äderung aufweisen oder fleckig sind. Häufig sind auch Verwachsungen mit anderen Mineralen wie Calcit oder Dolomit. Serpentingesteine werden als Serpentinit bezeichnet und besitzen wie die wichtigen Sepentinminerale Antigorit und Lizardit Bedeutung für die Verarbeitung zu kunstgewerblichen Objekten sowie in der Architektur.

 

 

 

Abb.1 Serpentin Antigorit Lizardit 300 1500Abb. 2: Ramanspektren von Antigorit und Lizardit

 

 

Die Farbe von Serpentin ist meist grün, teilweise gelblich-grün oder bläulich-grün. Seltener sind Gelb- bis Orange- und Brauntöne sowie rötliche Schattierungen. Verantwortlich für die Grünfärbung ist in erster Linie Eisen, untergeordnet auch Spuren von Nickel oder Chrom. Intensiv grüne Farben werden geschätzt, da die Steine dann jadeähnlich erscheinen und teilweise aus diesem Grunde im Handel als „Jade“ bezeichnet werden. Abb. 3 zeigt das Absorptionsspektrum von grünem, durchscheinendem Antigorit aus Australien. Die beiden breiten Absorptionsbanden mit Maxima bei 430 und 680 nm sowie die schwache Bande bei 575 nm und der Peak bei 500 nm sind auf Fe3+ zurückzuführen. Gelbe Farbtöne werden durch Nickel erzeugt, bräunliche Schattierungen durch Spuren von Chrom, Mangan oder Kobalt. Rötliche Verfärbungen sind auf durch Verwitterung entstandene Eisenminerale zurückzuführen.

 

 

Abb.2 Serpentin AntigoritAbb. 3: Absorptionsspektrum eines grünen, durchscheinenden Antigorits aus Australien

 

 

 

Im Edelsteinhandel werden neben der allgemeinen Bezeichnung Serpentin auch die Mineralnamen Antigorit, Chrysotil und Lizardit verwendet, aber auch eine ganze Reihe von speziellen Bezeichnungen, z.T. Phantasienamen und Falschbezeichnungen, die teilweise veraltet sind, bis heute jedoch vereinzelt nach wie vor Verwendung finden. In der Verarbeitung zu Schmuck (Cabochons, Ringsteine, Ketten, Amulette etc.) sowie kunstgewerblichen Objekten (Trinkgefäße, Dosen, Messer- bzw. Besteckgriffe, Tierfiguren etc.) sind Antigorit und Lizardit von Bedeutung. Reiner Chrysotil ist aufgrund seiner faserigen Struktur in der Regel nicht schleifbar und zudem asbestartig und somit gesundheitsschädlich.

 

 

 

Sammelbild mit LogoAbb. 4: Geschliffene Antigorite: A: grün, facettiert, Australien, 12 x 10 mm; B: grün, China, 28 x 18 mm; C: grün, China, 30 x 20 mm; D: „Chyta“-Serpentin, Simbabwe, 60 x 35 mm; E: „Silberaugen“-Serpentin, Australien, 60 x 55 mm; F: „Spiderweb“-Serpentin, USA, 25 x 18 mm. Proben A, D und E: Sammlung DGemG; die Proben B, C und F wurden von der Firma Welsch, Hottenbach zur Verfügung gestellt. Fotos: U. Henn, DGemG

 

 

Antigorit in Schmucksteinqualität ist grün bis gelblich-grün, aber auch bläulich-grün und teilweise gebändert. Durchscheinendes Material kann facettiert geschliffen werden (Abb. 4A). Meist ist Antigorit jedoch undurchsichtig bis kantendurchscheinend (Abb. 4B). Vorkommen befinden sich in Afghanistan, Australien, China, Griechenland, Italien, Kanada, Neuseeland, Pakistan, Polen, Schweiz, Sri Lanka, Tschechien, USA, Südafrika u.a. Grüner, durchscheinender Antigorit wurde früher als Bowenit bezeichnet. In China verwendet man für grünen bis gelblich-grünen Antigorit den Namen „New Jade“. Verwendung finden die Steine, die teilweise dunkle Adern bzw. Flecken aufweisen (Abb. 4C), für die Verarbeitung zu Schmucksteinen sowie Tierfiguren und anderen kunstgewerblichen Objekten. Andere Bezeichnungen sind auch „Korea Jade“ oder „Soochow Jade“.

Grüner, teilweise durchscheinender Antigorit mit schwarzen Einschlüssen (Chromit oder Magnetit) kommt aus USA und wird dort auch als Williamsit bezeichnet. Aus Simbabwe und Tansania stammt ein gelbgrün/dunkelgrün gefleckter Antigorit, der als „Chytha“-Serpentin gehandelt wird (Abb. 4D). Teilweise ist das Material auch gebändert und besitzt schwarze Einschlüsse aus Chromit. Der sogenannte „Silberaugen“-Serpentin aus Australien ist ein grüner Antigorit mit silbrig schillernden Schichten aus faserigem Chrysotil (Abb. 4E). Im Handel taucht hierfür auch die Bezeichnung „Zebra-Jaspis“ auf.

Aus USA stammt ein grüner Antigorit mit netzartig verlaufenden feinen Adern (Abb. 4F), der daher auch „Spiderweb“-Serpentin oder auch „Siderweb Jade“ genannt wird. Verkieselter Antigorit, d.h. eine Pseudomorphose von Quarz nach Antigorit wird oft unter der Handelsbezeichnung „Edelserpentin“ angetroffen. Er besitzt die Mohshärte 5 - 5½ und ist somit deutlich härter als Serpentin. Eine Pseudomorphose von Antigorit nach Enstatit ist der sogenannte Bastit. Typisch ist sein goldgelber bis bronzefarbener Schiller auf Spaltflächen, warum das Material auch „Schillerspat“ genannt wird.

 

 

 

Abb.4A 4B SammelbildAbb. 5: Geschliffene Lizardite: A: grün, Rumänien, 12 x 12 mm und 15: 10 mm, Sammlung DGemG; B: gelber „Lemon“-Serpentin, Australien, 30 x 18 mm, Sammlung Welsch, Hottenbach. Fotos: U. Henn, DGemG

 

 

Lizardit wird meist in Form feinkörniger, grüner, teilweise fleckiger oder gebänderter Aggregate angetroffen (Abb. 5A). Vorkommen befinden sich u.a. in Schweden und Norwegen, worauf auch die Bezeichnung „Norwegische Jade“ zurückzuführen ist. Das Vorkommen auf der Halbinsel Lizard im englischen Cornwall liefert grüne Steine mit rötlichen, bräunlichen, purpurfarbenen oder schwarzen Flecken, zum Teil auch Adern.

Weitere Vorkommen befinden sich u.a. in Italien, Kaschmir, Rumänien, USA. Ein gelber Lizardit aus Australien (Abb. 5B) wird auch als Lemon-Serpentin bezeichnet. Chrysotil ist wie bereits erwähnt asbestartig und daher als Schmuckstein kaum anzutreffen. Ein in der Literatur erwähntes Material stammt aus USA und wurde dort auch als „Satelit“ bezeichnet. Die faserigen, grauen bis grünlich-blauen Steine wurden auch zu Katzenaugen verarbeitet.

Wenig oder nicht mehr gebräuchliche Bezeichnungen sind Ricolith für einen grünen bis bräunlich-grünen gebänderten Serpentin aus New Mexico, USA, sowie Retinalith für gelben bis gelblich-grünen, honiggelben bis hellgrünen Serpentin aus USA mit harz- bis wachsartigem Glanz. Gleiches gilt für aluminiumhaltigen Serpentin aus Österreich, der auch unter dem Namen Pseudophit oder „Styrian Jade“ bekannt wurde. Ähnliches Material ebenfalls aus Österreich erhielt die Bezeichnung „Miskeyit“.

 

 

Sammelbild Abb.5A 5B mit LogoAbb. 6: A: Connemara-Marmor, weißer dolomitischer Marmor mit grünem Serpentin, rechter Stein 20 x 15 mm, Sammlung DGemG; B: Zöblitzer Serpentin (Granatserpentinit), Bildausschnitt 10 x 6 cm, Sammlung DGemG. Fotos: U. Henn, DGemG

 

 

Wie bereits erwähnt, wird Serpentin oft als Verwachsung mit Karbonaten wie Calcit oder Dolomit sowie mit karbonatischen Gesteinen wie Marmor angetroffen. Solche als „Ophicalcit“ oder „Serpentin-Marmor“ bezeichneten Gesteine kommen beispielsweise aus Großbritannien (Wales, Schottland), Österreich und Südafrika. Als „Verde antique“ wird eine Verwachsung von grünem Serpentin mit weißem Marmor aus Griechenland und Italien bezeichnet. Aus der irischen Provinz Connaught stammt der sogenannte „Connemara-Marmor“ (Abb. 6A) oder irischer grüner Marmor, ein Gestein, das in erster Linie aus weißem dolomitischem Marmor und grünem Serpentin (Antigorit und Lizardit) sowie weiteren mineralischen Bestandteilen besteht. Ein anderer im Handel verwendeter Name ist „Stein der Kelten“.

Historische Bedeutung besitzt der Zöblitzer Serpentin. Es handelt sich dabei um ein metamorphes Gestein, und zwar ein Granatserpentinit, der schon im 16. Jahrhundert für die Verarbeitung zu kunstgewerblichen Gegenständen (Trinkgefäße, Dosen, Teller, Kerzenständer etc., z. T. mit Edelmetallfassungen), als Werkstoff für Bildhauer und für die Verwendung in der Architektur gewonnen wurde. Die Stadt Zöblitz im Erzgebirge in Sachsen trägt noch heute den Beinamen Serpentinsteinstadt. Charakterisiert ist das dunkelgrüne bis grünlich-schwarze Serpentingestein (Abb. 6B) durch Einsprenglinge aus Granat (Pyrop), der aufgrund starker Zersetzung zumeist nicht mehr rot erscheint. Weiterhin sind schwarze Einschlüsse von Magnetit und Chromit vorhanden. Rötliche Schattierungen sind auf Eisenoxide zurückzuführen.

 

 

Abb.6 Stichtit 2 mit Logo.JPGAbb. 7: Cabochon mit violettem Stichtit und schwarzem Chromit. 20 x 10 mm, Sammlung DGemG. Foto U. Henn, DGemG

 

 

Ein Verwitterungsprodukt chromhaltiger Serpentine ist der Stichtit, ein rosarotes, purpur- bis violettrotes Mineral, das in Algerien, Australien, Kanada, Simbabwe und Südafrika vorkommt. Stichtit besitzt die chemische Formel Mg6Cr2(CO3)(OH16).4H2O, kristallisiert trigonal. Lichtbrechung, maximale Doppelbrechung und Dichte betragen: ne = 1,516, no = 1,540 – 1,544, Δn = 0,024 – 0,028 und D = 2,11 – 2,20 g/cm3. Abb. 7 zeigt einen Cabochon aus violettem Stichtit mit schwarzem Chromit. Aus Australien kommt ein Gestein aus grünem Serpentin, braunem Magnesiochromit und violettem Stichtit, das auch als „Atlantisit“ bekannt ist. Erwähnenswert sind auch Nickelerze, die sich durch Verwitterung von Serpentingesteinen gebildet haben und ursächlich für die grüne Farbe von Chrysopras sind. Es handelt sich um sogenannten Garnierit, eine Mischung aus Nickelmineralen, zumeist Nepouit, Pimelit und Willemseit.

 

 

Literatur

Henn, U. & Pintar, E.-M. (1997): Jade – Verwechslungsmöglichkeiten, Imitationen und künstliche Eigenschaftsveränderungen.- Z. Dt. Gemmol. Ges. 46, 2, 71-84.

Henn, U. & Stephan, T. (2020): Gemmologische Tabellen.- Idar-Oberstein, Deutsche Gemmologische Gesellschaft.

Rinaudo, C., Gastaldi, D. & Belluso, E. (2003): Characterization of chrysotile, antigorite and lizardite by FT-RAMAN spectroscopy.- Can. Miner. 41, 883-890.

 

 

Autor

Dr. Ulrich Henn, DGemG
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