Blog der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft

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Sammelbild 1Abb. 1: Fort Golconda. Foto Roman Saienko, www.pexels.com

 

Seine extreme Wertschätzung hat den Diamanten über eine mehr als zweieinhalbtausend Jahre alte Kulturgeschichte zu einem Naturprodukt der Superlative gemacht. Dies spiegelt sich in den verschiedensten synonymen Bezeichnungen wider, die der Mensch diesem besonderen Edelstein gegeben hat. Die außerordentliche Wertschätzung gründet sich in verschiedenen Kriterien, speziell der Seltenheit, der Kombination bemerkenswerter mechanischer und optischer Eigenschaften sowie der über die Zeiten entstandenen besonderen magisch-religiösen Bedeutung, was zu der Verwendung von Bezeichnungen wie „König der Edelsteine“ oder „Stein der Könige“ führte. Seine schon frühzeitig erkannte herausragende Härte bewirkte Benennungen wie „Der Unbezwingbare“, die schon in der Antike zur Namensgebung führte (adamas) und bis in die Neuzeit als „Härteste Währung“ Bestand hat. Legenden hüllen sich um diesen besonderen Edelstein, beispielsweise um das sagenumwobene „Tal der Diamanten“ in den Schriften über die Feldzüge Alexander des Großen in der Antike sowie in den mittelalterlichen Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht, Síndbad des Seefahrers, sowie in den Berichten des venezianischen Handelsreisenden Marco Polo im 13. Jahrhundert.

Wann die ersten Diamanten gefunden wurden, ist nicht bekannt, aber seine Geschichte lässt sich in das 1. Jahrtausend v. Chr.  zurückverfolgen. Die Anfänge liegen jedoch im Dunkeln der Zeiten, nur Märchen und Legenden berichten von der Entdeckung. So soll der Gott Brahma dem Eremiten Gautama als Buddha (=Erleuchteter) befohlen haben, seine Lehre zu verkünden und zu verbreiten. Im Kleid eines Bettelmönches zog Buddha durch das Land. Ein armer Bauer teilte brüderlich sein Essen mit ihm und rief, als Buddha weiterzog: Oh Erleuchteter, sieh, ein Stück Blitz ist vom Himmel gefallen. In der Tat, in den Fußspuren Buddhas funkelte und glitzerte es, als ob hunderte von Blitzen eingeschlagen hätten. Der arme Bauer schlang ein Tuch um seine Augen, damit ihn das Glitzern nicht blende. Buddha aber beruhigte ihn: Fürchte Dich nicht, nimm diese Steine als Lohn dafür, dass Du Dein Essen mit mir geteilt hast. Auf diese Weise sind die Diamanten nach Indien gekommen. Überall, wo Buddha seinen Fuß hingesetzt hatte, blieben sie zurück und varja (sanskrit = Blitzstrahl) werden sie noch heute in Indien genannt.

Vom Altertum bis ins 18. Jahrhundert war Indien einziger Lieferant und schon im 4. Jahrhundert v. Chr. bestand dort ein lebhafter Handel und es entwickelten sich Wertkriterien bzgl. Kristallform und optischen Eigenschaften, speziell der Farbe und Transparenz. Weiße bzw. farblose Oktaeder waren im indischen Kastensystem den Gelehrten, den Brahmanen vorbehalten, rote den Kriegern, gelbe den Grundbesitzern und Kaufleuten und grauschwarze den Handwerkern und Arbeitern. Heute weiß man, dass es sich nicht bei allen Steinen um Diamanten handelte. Die roten Oktaeder waren wahrscheinlich Spinelle, die schwarzen Magnetit.

Die Gewinnung der Diamanten erfolgte aus alluvialen Ablagerungen im Bereich der Flüsse Krishna und Bhima und Handelszentrum war über Jahrhunderte die Festungsstadt Golconda (Abb. 1) nahe Hyderabad im Bundesstaat Telangana. Aus Indien stammt eine ganze Reihe großer Diamanten, die u.a. von dem französischen Forschungs- und Handelsreisenden Jean Baptiste Tavernier im 17. Jahrhundert nach Europa gebracht wurden. Berühmt wurde der „Große Blaue“ (Tavernier-Blue, ca. 112 ct.), den er an König Ludwig XIV. verkaufte und der später umgeschliffen wurde und heute als der legendäre „Hope-Diamant“ (45,52 ct.) bekannt ist. Ein weiteres Beispiel ist der Regent (140,5 ct., französischer Kronschatz) und angeblich soll er auch den Koh-i-Noor (Berg des Lichts, 108,93 ct.) nach Europa gebracht haben, der sich heute im britischen Kronschatz befindet und als wertvollster Diamant der Welt gilt.

Im klassischen Griechenland waren Diamanten weitgehend unbekannt, erlangten aber in römischen Zeiten ein außerordentliches Ansehen. Sie wurden als „Kostbarer als Gold“ beschrieben und ihr Wert basierte auf der Seltenheit und außergewöhnlichen Härte, aber auch ihrer magisch-religiösen Bedeutung. In der berühmten „Naturalis historia“ schreibt der römische Gelehrte Gaius Plinius Secundus, bekannt als Plinius der Ältere (ca. 23-79 n. Chr.): „Den größten Preis unter den menschlichen Dingen, nicht unter den Edelsteinen allein, hat der Demant, welcher lange Zeit allein den Königen, und nur sehr wenigen, bekannt gewesen ist.“ In der Übersetzung von Johann Daniel Denso aus dem Jahr 1765 findet sich weiter: „Dann die Härte ist unsäglich, zugleich überwindet ihre Natur das Feuer, und sie werden niemals heiß. Daher hat er auch, nach der Auslegung des griechischen den Namen der unbezwinglichen Gewalt erhalten.“ Bezüglich des historischen Namens erwähnt G. C. Wittstein in seiner Übersetzung der Naturgeschichte von Plinius aus dem Jahr 1882: „Wegen dieser unbesiegbaren Kraft erhielt er den griechischen Namen Adamas.“ Die Bezeichnung adamas leitet sich vom lateinischen adamus, adamantinus ab und steht im übertragenen Sinne für hart, unnachgiebig, unbezwingbar.

Im Mittelalter schwand die Bedeutung und der Diamant wurde hinter Smaragd und Rubin gestellt, da diese wegen ihrer sattgrünen bzw. leuchtend roten Farbe als wertvoller angesehen wurden.

Im späten Mittelalter rückte der Diamant aber wieder in den Mittelpunkt der Edelsteine. Im 13. Jahrhundert blühten die alten Handelswege über Mesopotamien oder Arabien in den Mittelmeerraum wieder auf und Venedig entwickelte sich zum wichtigsten Handelsplatz durch die Reisen des Marco Polo. Der rege Handel Venedigs mit verschiedenen Städten in Mitteleuropa brachte Diamanten in die damals bedeutenden Handelsmetropolen Augsburg, Brügge und Antwerpen. Es entstanden erste Versuche der Bearbeitung und Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelte sich Brügge zum ersten bedeutenden Schleifzentrum mit dem legendären Lodewijk van Berckem, dem der Verdienst zugeschrieben wurde, den Diamantschliff erfunden zu haben. Er hatte 1476 herausgefunden, dass sich Diamant aufgrund seiner außerordentlichen Härte nur mit Diamant selbst, d.h. mit Diamantpulver bearbeiten ließ. Im Auftrag berühmter Herzöge und Päpste bearbeitete er mehrere große Diamanten, darunter angeblich auch den berühmten Florentiner, ein gelber Diamant von 137,2 ct., der später Teil des Habsburger Kronschatzes wurde.

Nachdem der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama den direkten Seeweg nach Indien entdeckt hatte, verlagerte sich im 16. Jahrhundert der Diamanthandel auf die Städteverbindung Lissabon-Antwerpen, die somit die Bedeutung der Handelsverbindung zwischen Venedig und Brügge ablöste. Antwerpen war im 16. Jahrhundert wichtigstes Schleifzentrum und es entwickelte sich der Schliff von Diamanten mit einer glatten Spaltfläche unten und gewölbter Anordnung von Facetten im Oberteil, der als Rosenschliff bekannt wurde (Abb. 2).

 

Abb.1 Serpentin Antigorit Lizardit 300 1500Abb. 2: Antike Brosche mit Diamanten im Rosenschliff. Foto und Sammlung: Q. Wang, DGemG

 

 

Im 17. Jahrhundert verlor Antwerpen als Folge des Spanisch-Niederländischen Krieges an Bedeutung. Die unabhängig gewordene und durch ihre zivile und religiöse Freiheit geprägte Republik der Sieben Vereinigten Niederlande ermöglichte den Aufstieg von Kultur und Handel zu einer Blütezeit, die als Goldenes Zeitalter berühmt wurde. Zahlreiche Händler und Schleifer verließen Antwerpen, siedelten sich in Amsterdam an und entwickelten dort eine Führungsrolle im Handel und der Verarbeitung von Diamanten, die über Jahrhunderte Bestand hatte.

Mit der Erfindung besserer Schleif- bzw. Polierscheiben erfuhr der Diamantschliff im 17. Jahrhundert eine bedeutende Weiterentwicklung. Man war nunmehr in der Lage Diamanten mit einem konischen Unterteil zu schleifen, wodurch erstmals durch Totalreflexion von oben in den Stein einfallendes Licht wieder zum Betrachter zurück reflektiert werden konnte, einer Eigenschaft, die wir heute als Brillanz kennen und schätzen.

Um 1650 ließ der französischen Kardinal Mazarin erstmals einen Stein mit 34 Facetten (32 Facetten plus Tafel und Kalette) bearbeiten, den sogenannte Mazarin-Schliff. Ende des 17. Jahrhunderts folgte der Schliff des Italieners Vincenzo Peruzzi, der hinsichtlich Facettenzahl und Form als Vorläufer des modernen Brillantschliffs gilt.

 

Abb.2 Serpentin AntigoritAbb. 3: Historische Diamantgewinnung im Distrikt Diamantina, Brasilien. Aus: CORNEJO, C. & BARTORELLI, A. (2009): Minerals and Precious Stones of Brazil.- Sao Paulo, Solaris Cultural Publications

 

 

Ab 1730 prägte Brasilien den Weltmarkt für Diamanten und war bis 1870 wichtigster Produzent. Schon 1714 sollen die ersten Diamanten unbewusst entdeckt worden sein, als Goldsucher im Rio das Velhas weiße Steine fanden, die sie als Spielmarken benutzten, ohne zu wissen, dass diese viel wertvoller waren als das Gold. Eines Tages sei ein Padre (Pfarrer) aus Goa in Indien gekommen, der den Goldwäschern das Spielen abgewöhnen wollte und ihnen klarzumachen versuchte, wie schädlich es sei. Dabei habe er die Spielmarken zu Gesicht bekommen und sogleich bemerkt, dass es sich dabei um Diamanten handelte, die er aus Indien kannte, wo er vorher missioniert hatte. Wie in Indien handelte es sich bei den damaligen brasilianischen Vorkommen um sekundäre Lagerstätten in alten Sedimentgesteinen (Konglomeraten) oder alluvialen Seifen der Flüsse im Bundesstaat Minas Gerais, speziell in der Umgebung von Tejuco, dem heutigen Diamantina (Abb. 3). Als internationales Handelszentrum etablierte sich im 18. Jahrhundert London, die Bearbeitung wurde von Amsterdam dominiert, aber auch in Antwerpen wurden weiterhin Diamanten geschliffen.

1895 fand der brasilianische Feldarbeiter Sergio Borges de Carvalho in Bahia einen großen schwarzen Diamanten, der mit seinem Gewicht von 3.167 Karat als der größte je in der Erde gefundene Diamant angesehen wird. Es handelte sich jedoch nicht um einen einzelnen Kristall, sondern um einen sogenannten Carbonado, d.h. ein polykristallines Diamantaggregat, das aus vielen kleinen Kristallen bestand. Der Diamant erhielt den Namen seines Finders und gelangte zuerst nach Paris, dann nach London und wurde zu kleinen Bruchstücken zerkleinert, die für industrielle Zwecke (Diamantbohrer) Verwendung fanden. Für viele gilt der Sergio jedoch nicht als der größte je gefundene Diamant, da es sich nicht um einen Kristall in Schmuckqualität handelte und daher wird im Allgemeinen die Ehre des weltgrößten Diamanten dem 1905 in Südafrika gefundenen Cullinan (3106,75 Karat) zuteil.

 

Die 10 berühmtesten historischen geschliffenen Diamanten aus Indien und Brasilien:

Name

Herkunftsland

Gewicht (ct)

Farbe

Sammlung

Koh-i-Noor

Indien

108,93

farblos

Britische Kronjuwelen, London

Hope

Indien

45,52

blau

Smithsonian National Museum of Natural History, Washington D. C.

Regent

Indien

140,5

farblos

Louvre, Paris

Dresdener Grün

Indien

41

grün

Neues Grünes Gewölbe, Dresden

Orlow

Indien

189,62

farblos

Diamantenfond im Kreml, Moskau

Darya-i-Noor

Indien

186

blassrosa

Iranische Kronjuwelen, Teheran

Großmogul

Indien

ca. 280

hellblau

verschollen

Sancy

Indien

55,23

hellgelb

Louvre, Paris

Beau Sancy

Indien

34,98

leicht bräunlich

Privatbesitz

Estrela de Minas

“Star of the South”

Brasilien

128,48

rosa-braun

Privatbesitz

 

 

Autor

Dr. Ulrich Henn, DGemG
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