Blog der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft

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Deutsche Gemmologische Gesellschaft e.V.
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Bernstein besitzt in der Regel eine typische gelbe Eigenfarbe, kann aber auch orange bis rötliche sowie braune, grüne oder blaue Färbungen aufweisen (vgl. Henn & Stephan, 2017).
Blaue Farben sind auf besondere Fluoreszenzeigenschaften bei ultravioletter Anregung zurückzuführen. Meist zeigt das Material bei Betrachtung im Tages- oder Lampenlicht die typische gelbe bis braune Eigenfarbe und entwickelt erst unter einer UV-Lampe die blaue bis grünlich-blaue Färbung, die oft nur oberflächennah auftritt. Im Allgemeinen ist die Fluoreszenzintensität im langwelligen (366 nm) stärker als im kurzwelligen UV (255 nm).
In bestimmten Fällen kann der UV-Anteil von Tageslicht ausreichen, um die blaue Fluoreszenzfarbe sichtbar zu machen und lässt das Material bereits im Tageslicht blau erscheinen.

 

Dom.Rep kombiniertAbb. 1: Bernstein aus der Dominikanischen Republik im Sonnenlicht (links) und unter langwelligem UV (rechts).

 

„Blauer“ Bernstein ist seit längerem aus Vorkommen in der Dominikanischen Republik bekannt (Abb. 1). Ursächlich für die Farbe ist eine starke blaue Fluoreszenz unter ultravioletter Strahlung, die zum Teil auch im Tageslicht sichtbar ist, d.h. der UV-Anteil des Tageslichts erzeugt eine sichtbare blaue Färbung. Die eigentliche Körperfarbe des dominikanischen Bernsteins ist gelb bis braun.
Bernstein aus der Dominikanischen Republik besitzt ein Alter von 15 bis 25 Millionen Jahren und ist ein fossiles Harz des prähistorischen Hülsenbaums Hymenaea protera. Chemisch ähnelt er ostafrikanischem Kopal und wird auch als Retinit (vom griechischen retine = Harz) bezeichnet, eine Bezeichnung, die für verschiedene Harze Verwendung findet, die keine oder nur sehr wenig Bernsteinsäure (Succinylsäure) enthalten.

 

Mexiko kombiniert Zeichenfläche 1Abb. 2: Bernstein aus Mexiko im Sonnenlicht (links) und unter langwelligem UV (rechts).

 

„Blauer“ Bernstein ist auch aus Mexiko bekannt (Abb. 2), und zwar aus Vorkommen in der Chiapas Region. Die 20 bis 30 Millionen Jahre alten Harze stammen ebenfalls vom Hülsenbaum Hymenaea und besitzen eine gelbe bis rötlich-braune Eigenfarbe und eine meist kreidig blaue Oberflächenfluoreszenz, die zumeist nur unter der UV-Lampe sichtbar ist.

Seit einigen Jahren kommen große Mengen von „blauem“ Bernstein aus Indonesien, und zwar von Sumatra in den Handel (Abb. 3). Die Vorkommen befinden sich im Gebiet von Gunung-Tua im zentralen Teil der Insel und sind an tertiäre Kohleformationen gebunden (Leelawatanasuk, 2013). Der Sumatra-Bernstein besitzt meist eine gelbe bis bräunlich-gelbe oder bräunlich-rote bis braune Körperfarbe und im UV eine oft kräftige kreidig-blaue Oberflächenfluoreszenz. In manchen Fällen ist die blaue Fluoreszenzfarbe analog von „blauem” Bernstein aus der Dominikanischen Republik und aus Mexiko schon im Tageslicht sichtbar, was den Steinen eine bläuliche Färbung verleiht (Abb. 4).

 

Sumatra kombiniertAbb. 3: Bernstein aus Sumatra im Sonnenlicht (links) und unter langwelligem UV (rechts).

 

Das Alter des Sumatra-Bernsteins beträgt ca. 23 Millionen Jahre und als typische Charakteristika treten eine teilweise deutliche Farbstreifung und runde bis ovale, tropfenartige Einschlüsse auf.

Der im Handel am häufigsten anzutreffende Baltische Bernstein (fossiles Harz der Kiefernart Pinus succinifera, Alter: 35-50 Millionen Jahre) besitzt in der Regel eine nur schwache UV-Fluoreszenz in kreidig-gelben bis kreidig-bläulichen Farben. Opake Bereiche sind meist stärker fluoreszierend als transparente.

 

Indonesien kombiniertAbb. 4: Bernstein aus Indonesien: Bereits im Sonnenlicht ist die blaue Fluoreszenzfarbe sichtbar (links), welche im langwelligen UV-Licht deutlich stärker ausfällt (rechts).

 

Bei blauem Bernstein kann neben den Fluoreszenzeigenschaften noch ein weiteres optisches Phänomen beobachtet werden, und zwar der sogenannte Usambara-Effekt (Liu et al., 2014). Hierbei ändert sich die Körperfarbe bei zunehmender Dicke der Steine von gelb über gelb-orange zu rötlichen Tönen.

 

Autoren

Dr. Ulrich Henn und Dr. Tom Stephan, FGG, EG
© 2020

 

Literatur

Campbell Pedersen, M. (2004): Gem and Ornamental Materials of Organic Origin.- Oxford, Elsevier Butterworth-Heinemann.

Henn, U. & Stephan, T. (2017): Bernstein oder Kopal – naturfarben oder behandelt?- DGemG-Information 1/2017. https://www.dgemg.com/newsletter/gemmologie-aktuell/350-dgemg-information-bernstein.html

Leelawatanasuk, T., Wathanakul, P., Paramita, S., Sutthivat, C., Sriprasert, B. & Bupparenoo, P. (2013): The characteristics of amber from Indonesia.- Aust. Gemmol. 25, 4, 142-145.

Liu, Y., Shi, G. & Wang, S. (2014): Color phenomena of blue amber.- Gems & Gemology 50, 2, 134-140.

 

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