Blog der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft

dgemg logo

 

Herausgeber: 
Deutsche Gemmologische Gesellschaft e.V.
Prof.-Schlossmacher-Str. 1
D-55743 Idar-Oberstein

 

Copyright:
Für alle Beiträge behält sich die Deutsche Gemmologische Gesellschaft (Deutsche Gesellschaft für Edelsteinkunde) e.V. sämtliche Rechte vor, insbesondere die des Nachdrucks, der Übersetzung in andere Sprachen und der photomechanischen Wiedergabe. Die veröffentlichten Beiträge stellen – soweit namentlich bezeichnet – die Auffassung der Autoren dar und geben nicht notwendig die Meinung von Herausgeber und Schriftleitung wieder. (Content of this journal may not be reproduced in any form without the permission of the German Gemmological Association. Opinions expressed do not necessarily reflect the views of the Association.)

Facettierte Zirkone aus der Sammlung der DGemG. Foto: Q. Wang, DGemG

Der heute als Zirkon bekannte Edelstein war schon in der Antike bekannt und besitzt hinsichtlich seiner Namensfindung eine lange Geschichte. Erste Hinweise zur Namensherkunft finden sich im altpersischen zargun, was goldfarben bedeutet bzw. arabischen zerquin = zinnoberrot. Daraus entwickelte sich die französische Bezeichnung Jargon (altfranzösisch jargonce, jacunce).

Synonym ist die Bezeichnung Hyazinth, die im Altertum wahrscheinlich jedoch andere Edelsteine bezeichnete. Der Name stammt vom griechischen hyacinthos oder lateinischen hyacinthus und war eigentlich die Bezeichnung für eine blaue Blume. Daher verstand man im Altertum unter diesem Namen wahrscheinlich ein blaues oder violettes Mineral, vermutlich Saphir oder Amethyst. So war der hyazinthos des Gaius Plinius Secundus (23 - 79 n. Chr.) ein violetter Stein, der den carbunculus (Karfunkel) zugeordnet wurde und somit wohl Amethyst war.

Im Mittelalter weitete sich die Verwendung des Namens Hyazinth auf eine breite Farbpalette aus. Albertus Magnus (1193 - 1280) unterschied zwei Arten, den weißlich-gelben hyacinthus aquaticus und den durchsichtig blauen hyacinthus saphirinus. In der Renaissance konzentrierte sich die Verwendung des Namens Hyazinth auf gelbe, gelbrote bis rotbraune und insbesondere rote Farben. So beschrieb der „Vater der Mineralogie“ Georgius Agricola (1494 – 1555) die typische Farbe als hyazinthrot.

Im 18. Jahrhundert erfolgte dann eine Differenzierung der Bezeichnungen. Brückemann erwähnt 1773, dass der weiße, klare „Orientalische Hyacinth“ von Juwelieren aus unbekannten Gründen „Cerkonier“ bezeichnet wurde. Es wurde angenommen, dass sich dieser Name durch Veränderung bzw. Variation der Aussprache aus dem französischen Jargon gebildet hat.

Der Name Zirkon erscheint erstmals 1780 im Mineralienverzeichnis des berühmten deutschen Mineralogen Abraham Gottlob Werner (1749 – 1817). Er verwendete ihn für die farblose Varietät von Hyazinth. Für die rötlich-braune Farbe verwendet er die herkömmliche Bezeichnung Hyazinth, während er gelblich-braune Steine als Jargon bezeichnete. Als synonyme Bezeichnung wurden damals „Circonius“ für Zirkon und „Schargon“ oder „Sargon“ für Jargon verwendet.

 

Granat Brosche 1 mit LogoEin Zirkon im Muttergestein. Bildbreite 5 cm, Foto: DGemG

 

1789 gelang dem deutschen Chemiker Martin Heinrich Klaproth der Nachweis von Zirkoniumerde (Zirkoniumoxid) im Zirkon und somit war Zirkon als eigenständiges Mineral bestimmt. 1795 analysierte er den Hyazinth und stellte fest, dass die chemische Zusammensetzung dem Zirkon entspricht. Danach wurde der Hyazinth in der Mineralklassifikation dem Zirkon zugeordnet. Die sich danach immer stärker durchsetzende Verwendung der Bezeichnung Zirkon steht für die nunmehr deutliche Fokussierung auf die chemische Zusammensetzung bei der Einteilung der Minerale gegenüber der vorher über viele Jahrhunderte vorherrschenden Bedeutung der äußeren Merkmale, speziell der Farbe.

Die Bezeichnung Hyazinth behielt jedoch ihre Bedeutung, teilweise bis heute. So verwendete Karl Emil Kluge in seinem „Handbuch der Edelsteinkunde“ aus dem Jahr 1860 die Bezeichnung Hyazinth für den „edlen Zirkon“ („Orientalischer Zirkon“) und für den „gemeinen“ Zirkon erwähnt er auch den Namen „Zirkonit“. Auch Karl Schlossmacher nennt in seinem Buch „Edelsteine und Perlen“ aus dem Jahr 1969 den braunen bis rotbraunen Zirkon aus Thailand und Kambodscha Hyazinth und auch W. F. Eppler bezeichnet in seinem Buch „Praktische Gemmologie“ von 1973 den gelben bis rotgelben Zirkon ebenfalls noch als Hyazinth.

Aber auch die alten Namen behielten ihre Bedeutungen. So erwähnt Max Bauer in seiner „Edelsteinkunde“ von 1896 die Verwendung der Bezeichnungen „Cerkonier“ oder „Jargon de Ceylon“ bei Juwelieren für blass gelblichen bis farblosen Zirkon. Damit schließt sich die Namensentwicklung vom persischen zargun über das französische jargon zum Cerkonier und schließlich zum Zirkon unter Einbeziehung der noch heute gelegentlich verwendeten Bezeichnung Hyazinth.

Die wichtigsten Vorkommen von Zirkon in Edelsteinqualität befinden sich in Asien, wo sich in den jeweiligen, zum Teil historischen Landessprachen spezifische Namen entwickelten. In Burma, dem heutigen Myanmar, verwendet man die Bezeichnung Gaw-mate oder Gaw-meik, was für Stärke steht. In Sri Lanka, dem früheren Ceylon, nannte man farblose Zirkone im 18. Jahrhundert „Matara Diamanten“ nach einer Stadt im Süden der Insel. Diese Bezeichnung weist auf die besonderen, dem Diamant ähnlichen Eigenschaften hin, und zwar der starke Glanz und die hohe Dispersion, was über Jahrhunderte zu Verwechslungen geführt hat.

Zirkone besitzen ein breites Farbenspektrum: farblos bis fast farblos, rot, braun, rotbraun, gelb, gelbrot, grün, graugrün, bräunlich-grün, gelblich-grün, bräunlich-gelb, orange, orangebraun, blau, grünlich-blau, grünblau.

Farblose Zirkone werden in der Natur nur sehr selten angetroffen, können aber durch Temperaturbehandlung aus braunen bis rotbraunen Steinen erhalten werden, was schon lange bekannt ist. Auch blaue Zirkone verdanken ihre leuchtende Farbe in der Regel einem Erhitzungsprozess, speziell die aus Kambodscha stammenden Ratanakiri-Zirkone. Eine andere, gelegentlich verwendete Fantasiebezeichnung für blaue Zirkone ist „Starlite“ (= Sternschnuppe).

Neben den asiatischen Vorkommen in Sri Lanka, Myanmar, Thailand und Kambodscha liefern Madagaskar, Tansania und Australien verschiedenfarbige Zirkone für Schmuckzwecke. Für braune, gelbbraune und rosabraune sowie rosafarbige bis rote Zirkone aus Tansania wird auch der Name „Malaya Zirkone“ im Handel verwendet.

Interessant ist, dass Zirkon das älteste Mineral der Erde ist mit einem Alter von bis zu 4,276 Mrd. Jahre.

Hinsichtlich Größe und Qualität besondere Zirkone finden sich in berühmten Sammlungen und Museen weltweit, beispielsweise ein geschliffener blauer Stein mit einem Gewicht von 23,85 ct und ein farbloses Exemplar von 23,07 ct in der Hixon Collection im Los Angeles County Museum of Natural History sowie ein orangebrauner facettierter Zirkon von 30 ct aus Tansania im Smithsonian Institut in Washington DC, USA.

Auch in Auktionen tauchen immer wieder außergewöhnliche Zirkone oder Schmuck bzw. Antikschmuck mit Zirkon auf. Meist sind es blaue Exemplare, wie beispielsweise ein Stein von 57,36 ct, der einen Preis von 60.000 US$ erzielt hat oder ein Collier mit blauen Zirkonen und Diamanten, das bei Christie`s für 47.500 CHF verkauft wurde.

Aber auch andersfarbige Zirkone konnten zum Teil hohe Preise erzielen, so ein bräunlich-orangegelber Stein mit einem Gewicht von 41,26 ct aus Tansania in einem Ring gefasst, der für 72.000 US$ versteigert wurde.

 

Autoren

Dr. Ulrich Henn & Dr. Tom Stephan, DGemG
© 2025

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit ändern, durch Klick des Menüpunkts Cookie Einstellungen in der Fußzeile der Webseite.