Blog der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft

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Abb 1: Violette Lavendel-Jade aus Myanmar. Durchmesser der Gravuren 25 mm. Sammlung Firma Engel & Co KG, Idar-Oberstein.

Lavendel-Jade ist die durch Mangan rosa- bis pinkfarbene, violette, rotviolette bis lila- oder purpurfarbene polykristalline Varietät von Jadeit.

Die Bestimmung als Jadeit-Jade kann mit Hilfe der gemmologischen Standarddaten Lichtbrechung und Dichte erfolgen, sowie mit der Raman- oder Infrarotspektroskopie oder mit chemischen Analysen (vgl. hierzu DGemG-Newsletter Januar 2025). Die wichtigsten Vorkommen von Lavendel-Jade befinden sich in Myanmar (Burma) in der Region Kamaing und in Guatemala im Tal des Motagua River. In beiden Vorkommen wird sie zusammen mit grüner, chromgefärbter Jadeit-Jade angetroffen.

Während die burmesische Lavendel-Jade deutliche pink- bis violett- und purpurfarbene Töne aufweist und somit die klassische Lavendelfarbe aufweist (Abb. 1), kommt in Guatemala neben pink- bis violettfarbenen Exemplaren häufiger auch Material mit deutlichen Blautönen vor. Solche seltene blaue Jadeit-Jade („Olmec blue“) ist wie die Lavendel-Jade durch Mangan gefärbt. Eine weitere außergewöhnliche Varietät aus Guatemala ist die fast farblose, durchscheinende „Eisjade“ („Ice jade“ oder „White water jade“), die aber auch aus Myanmar bekannt ist. Oft zeigen Objekte aus Guatemala-Jade neben der Lavendelfarbe Bereiche mit grüner chromgfärbter Jadeit-Jade (Abb. 2).

 

Sammelbild 1Abb. 2 (links): Violette Lavendel-Jade aus Guatemala mit grünen Bereichen. Größe 55 x 45 mm. Sammlung Firma Groh & Ripp oHG, Idar-Oberstein, Foto Q. Wang, DGemG. Abb. 3 (rechts): Kräftig lilafarbene Lavendel-Jade aus der Türkei. Größe des Rohstücks 22 x 12 cm.

 

Sammelbild 2Abb. 4 (links): Trommelsteine aus türkischer Lavendel-Jade mit deutlich fleckiger Farbverteilung. Größe des rechten Steins 45 x 20 mm. Abb. 5 (rechts): Anhänger aus deutlich fleckiger Lavendel-Jade aus Japan. Größe 35 mm.

 

Ein interessantes Vorkommen von Lavendel-Jade befindet sich in der Türkei, und zwar in der Region Harmancik-Bursa in Westanatolien. Im Handel wird das Material auch als „Türkische Purpur-Jade“ oder „Turkiyenit“ bezeichnet. Die Steine besitzen teilweise eine kräftige violette bis lila Farbe (Abb. 3). Bei qualitativ weniger gutem Material ist die Farbe deutlich fleckig verteilt (Abb. 4). Ein kommerziell wenig bedeutendes Vorkommen von Lavendel-Jade befindet sich in Japan. Von dort kommt in erster Linie aber relativ fleckiges Material (Abb. 5), oft mit mehr bläulichen Farbtönen, ähnlich wie aus Guatemala, jedoch in meist geringeren Qualitäten.

Wie bei chromgefärbter, grüner Jadeit-Jade werden bei der Lavendel-Jade drei Typen unterschieden:

A-Jade – nicht behandelt

B-Jade – gebleicht und mit Kunstharz imprägniert

C-Jade – gefärbt, in der Regel mit organischen Farbstoffen

Lavendel-Jade besitzt meist eine relativ grobkörnige Textur und die Naturfarbe ist an oft bereits makroskopisch erkennbaren intensiv gefärbten, z.T. idiomorphen, monoklinen Kristallen erkennbar (Abb. 6). Deutlich sichtbar ist dieses Merkmal mit Hilfe einer Lupe oder einem Mikroskop. Bei homogenem, hochwertigem Material sind Absorptionsspektren im Fall von durchscheinenden Exemplaren oder Reflexionsspektren bei undurchsichtigen Objekten diagnostisch. Zusätzlich können die pink- bis violett- und purpurfarbenen Steine eine meist jedoch nur schwache rote Fluoreszenz unter langwelliger UV-Strahlung (Abb. 7) besitzen, die ein Hinweis auf die Anwesenheit von Mangan ist.

 

Sammelbild 3Abb. 6 (links): Lavendel-Jade mit deutlich grobkörniger Textur. Die Naturfarbe ist aufgrund einzelner, intensiv gefärbter idiomorpher Kristalle nachweisbar. Auflicht, 20x. Abb. 7 (rechts): Naturfarbene Lavendel-Jade (A-Jade) aus Guatemala: schwache rötliche Fluoreszenz unter langwelliger ultravioletter Strahlung.

 

 

Die Bestimmung von B-Jade kann mikroskopisch und mit Hilfe der Infrarot- oder Ramanspektroskopie erfolgen (vgl. Gemmologie – Zeitschrift der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft 2020, Heft 3/4). Mit dem Mikroskop kann bei rissigen Steinen die Füllsubstanz an der Oberfläche des Steins erkannt werden. Im Ramanspektrum (GemmoRaman 532) sind zwei zusätzliche Peaks bei 1610 und 3068 cm-1 messbar (Abb. 8).

 

 Abb. 8 B Jade Raman                     Abb. 8: Ramanspektrum von imprägnierter Jadeit-Jade mit den charakteristischen Peaks bei 1610 und 3068 cm-1.

 

Sammelbild 4Abb. 9 (links): Künstlich gefärbte Lavendel-Jade: deutliche Konzentration des violetten Farbstoffs in oberflächenoffenen Rissen. Auflicht, 30x. Abb. 10 (rechts): Künstlich gefärbte Lavendel-Jade: deutliche Konzentration des violetten Farbstoffs entlang der Korngrenzen des polykristallinen Aggregats. Auflicht, 40x.

 

Abb. 11 Jade gefarbt UVL 1X mit LogoAbb. 11: Künstlich gefärbte Lavendel-Jade: kräftige orangefarbene Fluoreszenz des Farbstoffs unter langwelliger ultravioletter Strahlung.

 

Die Erkennung künstlich gefärbter Lavendel-Jade erfolgt in drei Schritten:

1. Mikroskopie

Eine künstliche Färbung, für die in den meisten Fällen organische Farbstoffe verwendet werden, ist unter dem Mikroskop anhand von Farbstoffkonzentrationen in oberflächenoffenen Rissen (Abb. 9) und entlang der Korngrenzen der polykristallinen Aggregate (Abb. 10) erkennbar. Bei stark rissigem bzw. sehr grobkörnigem Material ist dieses Phänomen auch mit der Lupe oder schon mit dem bloßen Auge zu beobachten.

 

2. UV-Fluoreszenz

Im Vergleich zur schwachen rötlichen Fluoreszenz naturfarbener Lavendel-Jade kann künstlich gefärbtes Material je nach Farbstoff eine zumeist kräftige orange Fluoreszenz unter langwelligem UV zeigen (Abb. 11).

 

3. UV/Vis/NIR-Spektroskopie

Bei durchscheinenden Proben können Absorptions- (Abb. 12), bei undurchsichtigen Proben Reflexionsspektren (Abb. 13) gemessen werden.

Das Absorptionsspektrum von naturfarbener, durchscheinender Lavendel-Jade zeigt eine breite Absorptionsbande im gelben Spektralbereich mit Maximum bei 575 nm, sowie einen Peak bei 437 nm. Die Transmissionsbreiche im Rot (ab 750 nm) und Blau (465 nm) erzeugen die typische Lavendelfarbe. Ursächlich für die breite Absorption im Gelb ist Mangan, während der Peak bei 437 nm auf dreiwertiges Eisen zurückzuführen ist.

Im Vergleich hierzu besitzt künstlich gefärbte Lavendel-Jade zwei breite Absorptionsbanden im Gelb und Orange mit Maxima bei 540 und 630 nm. Diese Bandenmaxima können je nach verwendetem Farbstoff leicht abweichende Werte besitzen. Der Eisenpeak bei 437 nm kann je nach Ausgangsmaterial deutlich unterschiedliche Intensität aufweisen. Die Transmissionsmaxima liegen wie bei den naturfarbenen Steinen im roten und blauen (470 nm) Spektralbereich.

Die Reflexionsspektren bei undurchsichtigen Proben besitzen die gleichen spektralen Eigenschaften. Das naturfarbene Material besitzt die breite Absorptionsbande von Mangan im Gelb mit Maximum bei 570 nm sowie den Fe3+-Peak bei 437 nm.

Die für die Farbe verantwortlichen Reflexionsmaxima befinden sich im Rot (690 nm) und Blau (450 nm).

Künstlich gefärbte Lavendel-Jade besitzt leicht abweichende Reflexionsspektren je nach Farbstoff. Im Allgemeinen ist eine breite Absorption mit Maximum bei 540 nm und eine zusätzliche Absorptionsbande bei 630 nm vorhanden. Die Reflexionsmaxima liegen im Rot und Blau. Die z.T. scharfen Peaks oberhalb 680 nm sind messtechnischen Ursprungs (Artefakte).

 

Abb. 12 Lavendel Jade Absorbanz 1Abb. 12: Absorptionsspektren von naturfarbener und künstlich gefärbter Lavendel-Jade.

 

Abb. 13 Lavendel Jade ReflexAbb. 13: Reflexionsspektren von naturfarbener und künstlich gefärbter Lavendel-Jade.

 

Literatur

HATIPOĞLU, M. (2012): Gem quality Turkish purple jade: Geological and mineralogical characteristics.- Journal of African Earth Sciences 63, 48-61.

HENN, U., LIND, TH., MILISENDA, C. C., MÜLLER, S. & STEPHAN, T. (2020): Edelsteine und ihre künstlichen Eigenschaftsveränderungen: Jade.- Z. Dt. Gemmol. Ges. 69, 3/4, 39-42.

HENN, U., STEPHAN, T., MATTER, C. & MILISENDA, C. C. (2025): DGemG-Information: Alpine Jade – ein Beitrag zur gemmologischen Bestimmung und Nomenklatur.- DGemG- Newsletter, Januar 2025.

LU, R. (2012): Color Origin of Lavender Jadeite: An Alternative Approach.- Gems & Gemology 48, 4, 273-283.

 

Autor

Dr. Ulrich Henn, DGemG
© 2025

 

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