Abb. 1: Die zur Untersuchung eingereichten Skapolithe. Foto: T. Stephan, DGemG
Kürzlich erhielten die Autorinnen zwei große, gelbe Steine zur Untersuchung (Abb. 1), die im Handel als Quarze angeboten worden waren. Der achteckige Stein im Treppenschliff wiegt 49,94 ct, besitzt ein gewölbtes, zufacettiertes Oberteil und hat die Maße 32,53x16,62x13,40 mm. Der zweite Stein wiegt 33,25 ct, weist eine schildartige Phantasieform auf, ist ebenfalls im Treppenschliff geschliffen und misst 27,40x14,91x12,36 mm.
Bereits die Untersuchung mit dem Polariskop unter Einschaltung der Konoskoplinse zeigte ein für Quarz eher untypisches Verhalten: Anstelle des zu erwartenden „Bullauges“ war bei beiden Steinen genau in der Rundiste der Kopfseiten jeweils ein Achsenkreuz zu erkennen. Bei der anschließenden mikroskopischen Untersuchung unter gekreuzten Polarisationsfiltern ließ sich bei gleicher Betrachtungsrichtung entlang der optischen Achse keine Brasilianerverzwillingung beobachten, womit verzwillingte, aus Amethyst gebrannte Citrine ausgeschlossen werden konnten.
Der Pleochroismus erwies sich als deutlich (farblos bis gelb) - ein Verhalten, das ebenfalls gegen aus Amethyst gebrannten Citrin spricht. Naturcitrine würden bei gegebener Farbintensität typischerweise einen deutlichen Pleochroismus zeigen, allerdings auch ein „Bullauge“ bei der anfänglichen Untersuchung mit dem Polariskop.
Die Refraktometermessungen lieferten Brechungsindices von no = 1,556; ne = 1,542; Δn = 0,014 und no = 1,556; ne = 1,541; Δn = 0,015, somit einen negativen optischen Charakter. Die Dichtemessung mittels hydrostatischer Waage ergab Werte von 2,63 und 2,64 g/cm³.
Abb. 2: Einer der untersuchten Skapolithe im Tageslicht (links), unter langwelligem UV (Mitte) und kurzwelligem UV (rechts). Fotos: T. Stephan, DGemG
Die durchgeführten standardgemmologischen Untersuchungen liefern ausreichend Hinweise, die gegen eine Bestimmung als Quarz sprechen und stattdessen auf das Mineral Skapolith hindeuten. Beide Steine zeigten zudem unter langwelligem UV-Licht eine intensive pinkfarbene Fluoreszenz und unter kurzwelliger UV-Strahlung eine rote Fluoreszenz (Abb. 2), was der Beschreibung der Fluoreszenz von Skapolith durch HENN (2024) entspricht.
Die anschließende Analyse mittels Raman-Spektroskopie identifizierte beide Steine ebenfalls eindeutig als Skapolithe.
Abb. 3 (links): Leistenförmige Hohlkanäle, sowie senkrecht dazu stehende Plättchen (x40, Foto: T. Stephan, DGemG. Abb. 4 (rechts): Idiomorph ausgeprägter Quarz-Einschluss (x32, Foto: T. Stephan, DGemG)
Besonders interessant und für Skapolith charakteristisch waren die Einschlüsse, die vor allem im achteckigen Stein deutlich hervortraten. Bereits mit bloßem Auge waren im Unterteil des Steins stäbchenartige Kanälchen erkennbar, die sich unter mikroskopischer Vergrößerung als leistenförmige Hohlräume parallel zur c-Achse des Kristalls darstellten, teilweise mit bräunlicher Füllung, sowie senkrecht dazu stehenden bräunlichen Plättchen, bei denen es sich wahrscheinlich um Fe-Oxide (Hämatit) und/oder Fe-Hydroxide handelt (Abb. 3, siehe auch Henn, 2024). Ein besonders gut ausgebildeter Mineraleinschluss konnte mit Hilfe eines micro-Ramanspektrometers als Quarz identifiziert werden (Abb. 4).
Abschließend ist festzuhalten, dass insbesondere die außergewöhnliche Größe der beiden Steine vermutlich maßgeblich zu ihrer Fehldeutung als Quarze beigetragen hat.
Literatur:
Henn, U. (2024): DGemG-Information: Skapolith.- Blog der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft (https://blog.dgemg.com/de/gemmologie/158-skapolith.html)
Autorinnen
Christine Lucia Matter, DGemG & Tünde Bártfai, DGemG und DSEF
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