Die aktuelle Ausgabe von Gemmologie - Zeitschrift der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft e.V. ist für Mitglieder im Online-Archiv abrufbar.
Für alle Interessierten ist das Heft in Druckform bei der DGemG erhältlich:
Vorwort zum aktuellen Heft 3/4 Dezember 2025

In den drei Originalbeiträgen des vorliegenden Hefts unserer Zeitschrift Gemmologie kommen modernste wissenschaftliche Methoden der Materialanalyse zur Anwendung, um Edelsteine im historischen Kontext zu untersuchen.
Die Entwicklung Idar-Obersteins zu einem weltbekannten Edelsteinzentrum ist eng mit dem Abbau der Achatvorkommen des Saar-Nahe-Beckens verbunden. Das bedeutendste Vorkommen ist zweifellos der heute als Besucherbergwerk zugängliche Steinkaulenberg. Henn liefert in seinem Beitrag neben einer detaillierten geologisch-mineralogischen Übersicht eine umfassende gemmologische Charakterisierung der im Steinkaulenberg vorkommenden Achate, Jaspise und Quarzvarietäten. Besonderes Augenmerk liegt auf Farbursachen, mikrostrukturellen Merkmalen und Einschlussparagenesen. Bemerkenswert ist die systematische Kombination einer Vielzahl gemmologisch- wissenschaftlicher Methoden, die in dieser Form bislang weder für die Edelsteine des Steinkaulenbergs noch für vergleichbare Chalcedon- und Achatvorkommen vorliegt.
Milisenda et al. widmen sich einem Objekt von außergewöhnlicher kulturhistorischer Bedeutung: dem Rubin im Ehering der Katharina von Bora. Die Autoren kombinieren gemmologische Standardverfahren mit fortgeschrittener spektroskopischer und physikalisch-chemischer Analytik. Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass es sich um einen unbehandelten Rubin aus dem Mogok-Gebiet in Burma handelt. Die Untersuchung leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur historischen Einordnung dieses
bedeutenden Schmuckstücks und dem Verständnis von Handelswegen für Rubin in der frühen Neuzeit.
Abgerundet wird das Heft durch den Beitrag von Kempe et al. zur Materialanalyse historischer chinesischer Specksteinobjekte mit dem Ziel der Herkunftsbestimmung. Durch den Einsatz moderner Analysemethoden wie Ramanspektroskopie und Röntgendiffraktometrie werden charakteristische Merkmale herausgearbeitet, mit denen es möglich ist, die Herkunft der Objekte zu rekonstruieren.
Moderne wissenschaftlich-gemmologische Forschung kann einen bedeutenden Beitrag zur Aufklärung kulturhistorischer Zusammenhänge leisten. Kempe et al. weisen in ihrem Beitrag darauf hin, dass die Übertragung historischer Edelsteinbezeichnungen in eine moderne wissenschaftliche Nomenklatur mit Umsicht erfolgen sollte. Dies gilt in besonderem Maße bei der Übertragung von Bezeichnungen nicht nur über Zeiträume, sondern auch über verschiedene Kulturkreise hinweg. Für den bedeutenden Themenkomplex Jade, der gerade in China eine herausragende kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung hat, erarbeiten Edelsteinfachleute aus zahlreichen Ländern – unter maßgeblicher Beteiligung chinesischer Experten – derzeit einen CIBJO Jade Guide. Dieses Dokument soll die in der westlich geprägten Gemmologie verwendeten Begriffe Jade, Jadeit und Nephrit mit den im chinesischen Kulturkreis gebräuchlichen Bezeichnungen Fei Cui und Hu systematisch in Beziehung setzen.
Mit herzlichen Grüßen
Dr. Thomas Lind
Präsident
Deutsche Gemmologische Gesellschaft e.V.

Inhalt des aktuellen Hefts 3/4 Dezember 2025
U. HENN
Die Edelsteine aus dem Steinkaulenberg, Idar-Oberstein
Eine mineralogisch-gemmologische Betrachtung unter besonderer Berücksichtigung der Farbursachen und Einschlussparagenese
U. KEMPE, D. WEBER, R. KLEEBERG, K. UNGER, A. MASSANEK, M. MROZIK, M. WAGNER
Über die Materialanalyse zur Herkunftsbestimmung chinesischer Specksteinfiguren
CLAUDIO C. MILISENDA, DANIEL NYFELER, ULRIKE DURA, KLAUS SCHOLLENBRUCH, JIN GUO und TAKAHITO MORI
Gemmologische Untersuchung des Rubins im Ring der Katharina von Bora („Lutherring“)
