Blog der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft

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Deutsche Gemmologische Gesellschaft e.V.
Prof.-Schlossmacher-Str. 1
D-55743 Idar-Oberstein

 

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Für alle Beiträge behält sich die Deutsche Gemmologische Gesellschaft (Deutsche Gesellschaft für Edelsteinkunde) e.V. sämtliche Rechte vor, insbesondere die des Nachdrucks, der Übersetzung in andere Sprachen und der photomechanischen Wiedergabe. Die veröffentlichten Beiträge stellen – soweit namentlich bezeichnet – die Auffassung der Autoren dar und geben nicht notwendig die Meinung von Herausgeber und Schriftleitung wieder. (Content of this journal may not be reproduced in any form without the permission of the German Gemmological Association. Opinions expressed do not necessarily reflect the views of the Association.)

Budai Heshang aus undurchsichtigem, grünlichem Speckstein. Sparsame Gravuren und Farbfassung mit chinesi- scher Tusche, Höhe 11 cm (SKD MVD, Inv.-Nr. 2150).

Zusammenfassung
Siegelsteine sind in China hochgeschätzte gemmologische Materialien und ihre Nutzung ist bis heute fester Bestandteil der dortigen Jade-Kultur. Während des 17. und 18. Jahrhunderts gelangten aus Siegelstein gefertigte Steinschnittarbeiten als exotische Specksteinfiguren in großer Zahl nach Europa und gingen zusammen mit anderen asiatischen Kunstwerken in die Sammlungen des hiesigen Adels ein. Hier wurden sie oft mit ostasiatischen Porzellanen, aber auch in separaten Specksteinkabinetten präsen-tiert. Im 19. und 20. Jahrhundert verschwanden die nunmehr als ethnographisch betrachteten Objekte weitgehend aus der Öffentlichkeit in den Depots der verschiedenen Museen. Gleichzeitig wandelte sich die Bedeutung des Begriffs „Speckstein“, der nicht mehr alle leichter als Hartsteine zu bearbeitende polierfähige Gesteinsmaterialien bezeichnete, sondern sich bis heute praktisch ausschließlich auf Talkgesteine bezieht.

Die historischen chinesischen Specksteinfiguren, teils aufwendig graviert und mit hochwertigen Pigmenten wie chinesischer Tusche (Black Carbon), Feinkorngold, Cinnabarit, Azurit und Malachit bemalt, stammen ganz überwiegend aus den berühmten Steinschneidewerkstätten von Shoushan und Qingtian in den südöstlichen Küstenprovinzen Chinas. Die verwendeten Gesteine bestehen allerdings nicht aus magnesiumreichen Talkgesteinen, sondern sind Umwandlungsprodukte saurer Vulkanite mit verschiedenen Aluminiumsilikaten wie Pyrophyllit, Kaolinit und Muskovit (bzw. Illit). Eine Ausnahme bildet eine Gruppe von Figuren aus reinem, eisenfreiem und rosafarbenem Talk unbekannter Herkunft, der sich nur bei der hydrothermalen Umwandlung von magnesitreichen Karbonatgesteinen gebildet haben kann. Diese Figuren weisen auf eine weitere, bisher nicht identifizierte chinesische Steinschneidetradition hin.
Bemerkenswert sind die weit über den Mineralhärten von Talk und Pyrophyllit liegenden Gesteinshärten der Siegelsteine. Die erstaunlich transparenten Varietäten des farblosen Gaoshan, des leuchtend roten Furong und des lange Zeit ausschließlich dem Kaiser vorbehaltenen gelben Tianhuang von Shoushan sind als besonders wertvolle Siegelsteine zu betrachten. Durch die zerstörungsfreie Bestimmung der Mineralzusammensetzung, die Analyse der Gesteinsausbildung und die stilistische Begutachtung der Figuren unter Berücksichtigung der verwendeten Pigmente kann die Herkunft der chinesischen Specksteinfiguren in den historischen europäischen Sammlungen rekonstruiert werden.

 

Einleitung
Eine der neben der Chinabegeisterung in Gartenkunst, Architektur oder dem Sammeln von Porzellan immer noch wenig beachtete, im 18. Jahrhundert in Europa jedoch weit verbreitete Form der Chinoiserie war der Erwerb und die Präsentation sogenannter Specksteinfiguren oder anderer Objekte aus Speckstein in den barocken Schaukabinetten (Abb. 1). So wie es in den Paraderäumen der prachtvollen Schlösserenfiladen modische Porzellanzimmer gab, ist auch die Existenz mehrerer Specksteinkabinette überliefert. In Hetzendorf bei Wien hat sich eine solche Raumsituation weitgehend unbeachtet in nahezu unveränderter Form bis heute erhalten (Miklin et al., 2023).
Im Laufe des 19. Jahrhunderts schwand das Interesse an den exotischen Specksteinarbeiten in Europa und Nordamerika parallel zur schwindenden Anerkennung der Leistungen der Jahrtausende alten chinesischen Hochkultur. Diese veränderte Sichtweise stand im engen Zusammenhang mit der zeitgleich fortschreitenden militärischen und ökonomischen Unterwerfung Ostasiens. Specksteinfiguren wurden als künstlerisch weniger wertvoll oder als rein ethnographische Objekte eingestuft und verschwanden zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung in den Depots der neu geschaffenen völkerkundlichen Museen, den “Kühlkammern weißer Wissbegier“ (Carl Einstein, 1926). Ein Teil der umfangreichen, unter August dem Starken angelegten Dresdner Sammlung von Specksteinobjekten wurde nach ihrer 1876 erfolgten Abtrennung von der heute weltberühmten Porzellansammlung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Museum für Völkerkunde an andere Museen oder private Interessenten abgegeben bzw. verkauft (Cassidy-
Geiger, 1994). Noch 1955 bezeichnete der damalige Direktor des Herzog Anton Ulrich - Museums in Braunschweig August Fink (1890–1963) die dortigen umfangreichen Bestände an chinesischen Lackarbeiten und Specksteinfiguren als „nicht zur ernst zu nehmenden Kultur Ostasiens“ gehörig (Ströber, 2002). Erst ab dem ausgehenden 20. Jahrhundert sind einige Versuche unternommen worden, die meist kleinformatigen und zerbrechlichen Kunstwerke in ihrer kulturhistorischen Bedeutung wieder angemessener zu würdigen und stärker in den Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit zu rücken (Bräutigam, 1989; Cassidy-Geiger, 1994; Ströber, 2002; Eberle, 2015; Miklin et al., 2023). Schon 1989 hatte Herbert Bräutigam anlässlich der Ausstellung „Schätze Chinas in der DDR“ festgestellt, dass Specksteinfiguren und Specksteinobjekte wie kaum eine andere Kunstgattung geeignet sind, die chinesische Kultur mit ihren Jahrtausende alten Traditionen, ihrer Spiritualität und besonderen Weltsicht zu vermitteln (Bräutigam, 1989).

Umfangreiche Bestände der ursprünglich bis zu mehrere hundert (!) Objekte umfassenden fürstlichen Sammlungen existieren auch heute noch in den aus dem ehemaligen Lustschloss Salzdahlum stammenden Objektgruppen des Herzog Anton Ulrich - Museums in Braunschweig, in Schloss Friedenstein in Gotha und im Museum für Völkerkunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Aber auch im Dessauer Gartenreich, im badischen Schloss Favorite, im Schloss Wabern in Hessen-Kassel und im Schloss Weissenstein bei Pommersfelden haben sich Specksteinfiguren erhalten. Chinesische Specksteinarbeiten zieren bis heute das „Japanische Kabinett“ in der Alten Eremitage bei Bayreuth (Huber, 2015). In der Dänischen Kunstkammer in Kopenhagen, auf Schloss Ambras in Österreich oder in den Schwarzenbergischen Sammlungen der tschechischen Weltkulturerbestadt Český Krumlov gab bzw. gibt es größere Specksteinsammlungen. Zusammenstellungen zu den vor allem in Deutschland bekannten historischen Beständen finden sich in den Publikationen von Maureen Cassidy-Geiger (1994) und Eva Ströber (2002).

 

 

Blick auf den Steinkaulenberg aus westlicher Richtung.Abbildung 1: Göttin der Barmherzigkeit Guanyin mit Ruyi-Stab in der Linken auf einem „Chinesischen Löwen“. Die rechte Hand und die Frisur sind teils abgebrochen. Shoushan-Stein, separate Plinte aus Tropenholz, Gravuren, Farbfassung mit chinesischer Tusche, Gold, Cinnabarit und Azurit, Höhe 23 cm (KSDW, Inv.-Nr. II 610). Foto: U. Kempe

 

 

 

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heft1 2 2021

Inhalt des Hefts 3/4 Dezember 2025

U. HENN
Die Edelsteine aus dem Steinkaulenberg, Idar-Oberstein
Eine mineralogisch-gemmologische Betrachtung unter besonderer Berücksichtigung der Farbursachen und Einschlussparagenese

U. KEMPE, D. WEBER, R. KLEEBERG, K. UNGER, A. MASSANEK, M. MROZIK, M. WAGNER
Über die Materialanalyse zur Herkunftsbestimmung chinesischer Specksteinfiguren

CLAUDIO C. MILISENDA, DANIEL NYFELER, ULRIKE DURA, KLAUS SCHOLLENBRUCH, JIN GUO  und TAKAHITO MORI
Gemmologische Untersuchung des Rubins im Ring der Katharina von Bora („Lutherring“)

 

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Sie erscheint seit 1952 in regelmäßigen Abständen, zur Zeit in zwei Doppelheften jährlich, und beinhaltet Artikel über Ergebnisse der Edelsteinforschung und Edelsteinuntersuchung sowie gemmologische Kurzinformationen. Der Bezug der Zeitschrift ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Auf Wunsch kann sie auch im Abonnement bezogen werden.

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