Zusammenfassung
Diese Studie fasst die ersten Untersuchungen an Turmalinen aus einem Neufund nahe der Ortschaft Abuloo in der Region Oromia in Äthiopien zusammen. Viele der untersuchten Proben zeigen die typischen Absorptionsbanden von zweiwertigem Kupfer (Cu2+), charakterisiert von Maxima bei ca. 720 und 920 nm, welche typisch für Paraíba-Turmaline sind. Ein Teil der Proben jedoch sind entweder nicht-kupferhaltig oder zeigen starke Eisenkonzentrationen, die ihren Kupfergehalt übersteigen. Als Resultat sind ihre Absorptionsspektren dominiert durch Absorptionsbanden von Eisen, weshalb sie nicht als Paraíba-Turmalin bezeichnet werden. Chemische Analysen deuten darauf hin, dass es sich bei den äthiopischen Turmalinen insbesondere um Elbaite handelt. Im Vergleich zu Paraíba Turmalinen aus Brasilien zeigen sie jedoch im Allgemeinen höhere Calcium- (Ca), Eisen- (Fe), Gallium- (Ga) und Bleikonzentrationen (Pb). Diese Unterschiede im Spurenelementchemismus stellen wichtige Merkmale zur Unterscheidung und Charakterisierung des neuen Vorkommens dar. Die Autoren hoffen, dass zukünftige Arbeiten diese ersten Untersuchungen bestätigen, um sicherzustellen, dass Meinungen bezüglich der Herkunft von Paraíba-Turmalinen auch zukünftig auf wissenschaftlicher Basis möglich sind.
Einleitung
Im Edelsteinhandel ist Äthiopien insbesondere durch seine Opal- und Smaragdvorkommen bekannt (z.B. Milisenda & Henn, 2012; Milisenda et al., 2017). Aber auch andere Farbedelsteine wie Saphire, Granate, Apatite, Quarze, Phenakite, Peridote und Turmaline werden von dort beschrieben (z.B. Laurs et al, 2012; Stephan et al., 2022).
Seit wenigen Wochen gibt es in den sozialen Medien Gerüchte über einen neuen Fund von kupferhaltigen Turmalinen in Äthiopien, die den mittlerweile schon legendären Paraiba-Turmalinen aus Brasilien sehr ähnlich wären.
Kupferhaltige Turmaline sind auf dem afrikanischen Kontinent aus Nigeria und Mosambik bekannt (Milisenda & Henn, 2001; Milisenda et al., 2006). Letztere sind im Gegensatz zu den brasilianischen Exemplaren meist abgerollt und entstammen Sekundärvorkommen. Als Muttergesteine gelten Pegmatite, die während bzw. nach der panafrikanischen Orogenese im Paläozoikum entstanden sind.
Diese Ausgabe von Gemmologie - Zeitschrift der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft e.V. ist für Mitglieder im Online-Archiv abrufbar.
Für alle Interessierten ist das Heft in Druckform bei der DGemG erhältlich:

Inhalt des Hefts 1/2 Juni 2026
75 Jahre Zeitschrift der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft
C. C. Milisenda und J. Guo
Neues Vorkommen kupferführender Turmaline in Äthiopien
K. Schmetzer
Böhmische Granate - Vorkommen, Gewinnung und Verarbeitung
U. Henn und R. Schmidt
Panthera-Jaspis aus Baumholder
U. Henn, T. Döbler, Q. Wang und T. Stephan
Purpur- bis lilafarbener Chalcedon aus Äthiopien
Angie Crabtree: Edelsteine auf der Leinwand
Ein Portrait der Künstlerin von B. Weninger
