Blog der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft

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Abb. 1: Turmalinrohsteine aus Äthiopien mit Gewichten zwischen 0,01 und 4,9 g.

Seit wenigen Wochen gibt es in den sozialen Medien Gerüchte über einen neuen Fund von kupferhaltigen Turmalinen in Äthiopien, die den mittlerweile schon legendären Paraiba-Turmalinen aus Brasilien angeblich sehr ähnlich wären.

Am Mittwoch, dem 24. Juni 2026, erhielt das Labor der Deutschen Stiftung Edelsteinforschung eine erste Partie von Turmalinkristallen bzw. Kristallfragmenten (Abb.1) sowie ein facettiertes, leuchtend grünlich-blaues Exemplar (Abb. 2) aus dem neuen Fund nahe der Ortschaft Abuloo in der äthiopischen Region Oromia. Die Turmaline stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus syn- bis postmetamorphen Pegmatiten, die im Zuge der panafrikanischen Orogenese entstanden sind.

 

Abb. 2 mit Logo.JPGAbb. 2: Facettiert geschliffener Paraiba-Turmalin (3,64 ct.) aus Äthiopien.

 

Die Rohsteine kommen in violetten, pinkfarbenen, grünlich-blauen, blauen, bläulich-grünen, grünen und gelblich-grünen Varietäten vor. Auch mehrfarbene Exemplare können beobachtet werden (Abb. 3). Einige Turmalinkristalle erinnern stark an Turmaline aus der Batalha-Mine im brasilianischen Bundesstaat Paraíba und unterscheiden sich von den typischerweise stärker abgerundeten Exemplaren aus den Lagerstätten in Mosambik und Nigeria.

Bislang haben wir rund 50 Proben untersucht. Die vorläufigen Ergebnisse bestätigen erste auf Instagram und LinkedIn veröffentlichte Untersuchungen von Pardieu et al. am 26. Juni, wonach die neue Lagerstätte Turmaline mit einer äußerst heterogenen chemischen Zusammensetzung liefert.

 

Abb 3 mit LogoAbb. 3: Mehrfarbiger, kupferführender Turmalin aus Äthiopien (0,29 g.).

 

Einige Steine zeigen die für Paraiba-Turmaline charakteristischen Absorptionen von zweiwertigem Kupfer mit Maxima bei etwa 700 nm und 900 nm. Ein Teil davon zeigt zusätzliche Banden von dreiwertigem Mangan insbesondere bei etwa 520 nm.  

Andere Exemplare sind entweder kupferfrei oder weisen im Verhältnis zu ihrem Kupfergehalt höhere Eisenkonzentrationen auf. Aufgrund des daraus resultierenden, von Eisen dominierten Absorptionsspektrums werden diese Steine nicht als Paraíba-Turmaline eingestuft (siehe https://www.lmhc-gemmology.org/wp-content/uploads/2023/06/LMHC-Information-Sheet_6_V8_2023.pdf).

Vorläufige chemische Untersuchungen deuten darauf hin, dass es sich bei den äthiopischen Turmalinen überwiegend um Elbaite handelt. Im Vergleich zu Paraíba-Turmalinen aus Brasilien weisen sie jedoch im Durchschnitt höhere Konzentrationen an Kalzium (Ca), Eisen (Fe), Gallium (Ga) und Blei (Pb) auf. Diese Unterschiede in der Spurenelementzusammensetzung stellen wichtige Kriterien für die Charakterisierung und Unterscheidung der neuen Lagerstätte dar.

Als weiteres Merkmal konnte in einigen der äthiopischen Turmaline eine wahrscheinlich durch Seltene-Erden-Elemente induzierte Photolumineszenz beobachtet werden. Eine vergleichbare, jedoch deutlich stärker ausgeprägte Lumineszenz ist auch bei kupferführenden Liddicoatiten aus Mosambik zu beobachten. Die Kombination aus chemischer Zusammensetzung und lumineszenzspektroskopischen Eigenschaften liefert somit wertvolle Hinweise für die Herkunftsbestimmung der Turmaline.

Wir hoffen, dass zukünftige Untersuchungen diese ersten Erkenntnisse bestätigen und somit eine Aussage über die Herkunft von Paraíba-Turmalinen auch weiterhin auf wissenschaftlicher Grundlage erfolgen kann.

 

Autoren

Dr. Claudio C. Milisenda & Jin Guo
Deutsche Stiftung Edelsteinforschung (DSEF)
© 2026

 

 

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