Abb. 1: Die hier gezeigten Proben wurden für diesen Beitrag untersucht. Sie stellen einen Teil des für die DGemG-Lehrsammlung erworbenen Materials dar. Fotos: Q. Wang, DGemG
Seit einigen Jahren werden in Europa vermehrt Aquamarine beobachtet, die mit Kunstharz stabilisiert wurden. Zur Bereitstellung von Anschauungsmaterial für Kursteilnehmende sowie zu Forschungszwecken erwarb die Autorin Qi Wang im Rahmen einer Reise nach China stabilisierte Aquamarine (Abb. 1) auf einem lokalen Edelsteinmarkt. Die Kunstharzbehandlung wurde von den Verkäufern offen deklariert. Das Probenmaterial umfasst Kugeln unterschiedlicher Qualitäten, ovale Cabochons, Obelisken, figürliche Objekte sowie Rohstücke.
Eine erneute Untersuchung des kürzlich erworbenen Materials bestätigte sämtliche von uns zuvor beschriebenen gemmologischen, mikroskopischen und spektroskopischen Eigenschaften (vgl. Stephan et al. 2019: Ungewöhnliche Behandlungen – Stabilisierte Aquamarine und gefärbte Feldspäte; Matter et al. 2024: Stabilisierter Aquamarin-Cabochon mit ungewöhnlicher Farbverteilung).
Abb. 2 (links): Bei mikroskopischer Betrachtung sind blaue, rosa und gelbe Flash-Effekte im gesamten Stein erkennbar. Foto: Q. Wang, DGemG. Abb. 3 (rechts): Zusätzlich verlaufen Gasblasen entlang von Rissen durch den gesamten Stein. Foto: Q. Wang, DGemG
Am augenscheinlichsten ist die auffallend verschwommene Farbwirkung, die aus der Kombination der Aquamarin-Eigenfarbe mit ausgeprägten Flash-Effekten des stabilisierten Materials resultiert. Bei der Betrachtung mit Lupe und Mikroskop sind deutlich blaue, rosa und gelbe Flash-Effekte erkennbar (Abb. 2). Zudem fallen mikroskopisch zahlreiche Gasblasen auf, die häufig entlang von Rissen verlaufen (Abb. 3).
Abb. 4: Kurzwellige UV-Fluoreszenz der Kunstharzfüllungen in einem der untersuchten Aquamarin-Cabochons. Foto: Q. Wang, DGemG
Die stabilisierten Aquamarine weisen eine vergleichsweise niedrige Dichte von etwa 2,60 g/cm³ oder weniger auf. Unter langwelligem und kurzwelligem UV-Licht zeigt sich eine netzartige, kreidig-blaue Fluoreszenz der Kunstharzfüllung in Rissen (Abb. 4). Raman-spektroskopische Messungen belegen das Vorhandensein von Kunstharz in rissigen Bereichen und bestätigen damit eine Reinheitsverbesserung durch Kunstharzfüllung.
Aufgrund des hohen Anteils an Kunstharz ist dieses Material in Anlehnung an die LMHC-Nomenklatur korrekt als stabilisiert zu bezeichnen. Festzuhalten ist, dass im vergangenen Jahr auch auf dem mitteleuropäischen Markt vermehrt solche stabilisierten Aquamarine beobachtet wurden.
Literatur
MATTER, C. & WANG, Q. (2024): Stabilisierter Aquamarin-Cabochon mit ungewöhnlicher Farbverteilung (https://blog.dgemg.com/de/gemmologie/140-aqua-cabochon-stabilisiert.html) STEPHAN, T., MILISENDA, C. C., MÜLLER, S. & HUAYSAN, B. (2019): Ungewöhnliche Behandlungen – Stabilisierte Aquamarine und gefärbte Feldspäte.- Z. Dt. Gemmol. Ges. 68, 3/4, 61–62.
Autorinnen
Christine Lucia Matter & Qi Wang, DGemG
© 2026

