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Im letzten Jahr feierte das Ausbildungszentrum der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft e.V. sein 50jähriges Bestehen. Im Rahmen der Vorbereitungen auf dieses Jubiläum nutzten wir die Gelegenheit, mit vielen Alumni wieder in Kontakt zu treten – und ihre Kommentare und Geschichten bestätigen, wie wichtig ihre Zeit bei der DGemG hier in Idar-Oberstein für ihre berufliche Zukunft war. Über die nächsten Wochen und Monate werden wir die mit ihnen geführten Interviews über unseren Blog teilen, um angehenden Gemmologinnen und Gemmologen zu zeigen, wie vielfältig die beruflichen Möglichkeiten in der Schmuck- und Edelsteinbranche sind.
Julia Neller ist Kunsthistorikerin und seit einigen Jahren bei VAN HAM Kunstauktionen tätig, wo sie im September 2024 die Leitung der Abteilung Schmuck und Uhren des internationalen Kunstauktionshauses übernommen hat.
Wann und wieso habe ich das Ausbildungsprogramm bei der DGemG absolviert?
Bei VAN HAM Kunstauktionen, meinem heutigen Arbeitgeber, kam ich vor einigen Jahren erstmals in diesem Umfang mit hochwertigem Schmuck in Berührung. Dort begegnete ich Farbsteinen in ihrer ganzen Vielfalt und in außergewöhnlichen Farbausprägungen. Diese unmittelbare Erfahrung weckte sehr schnell meine Begeisterung für Edelsteine und somit für die Gemmologie.
Schon bald stand für mich fest, ich möchte mehr über diesen speziellen Fachbereich wissen, und ich begann meine Ausbildung in Idar-Oberstein zur Gemmologin und Diamantgutachterin.
Wie habe ich die Wochen in Idar-Oberstein erlebt?
Jede einzelne Woche war für sich genommen spannend und interessant. Besonders die Wirtschaftswoche hat mich begeistert, da man nicht nur verschiedene Berufsfelder kennenlernt, sondern auch eine beeindruckende Vielzahl außergewöhnlicher Edelsteine und Diamanten zu sehen bekommt. Die Kurse vermitteln einen sehr umfassenden Einblick und sind zugleich klar strukturiert und präzise angeleitet.
Der theoretische Teil meist am Vormittag, lässt sich direkt in die Praxis am Nachmittag umsetzten, sodass es ein sehr ausgewogenes Zusammenspiel ergibt.
Auch Idar-Oberstein selbst hat, gemessen an seiner Größe, doch einiges zu bieten. Der Ort wirkt beinahe ein wenig verwunschen, vielleicht etwas in die Jahre gekommen, doch hinter dieser Fassade kann sich viel verbergen. Hinter scheinbar ganz normalen Wohnhäusern verbergen sich Schmuckhändler, Edelsteingraveure oder Edelsteinschleifereien, was ich ausgesprochen faszinierend finde.
Zudem lädt die Umgebung zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Nach einem Tag am Mikroskop tut es gut, den Blick wieder in die Ferne schweifen zu lassen. Auch im näheren Umkreis gibt es einige sehr schöne kleine Städtchen zu entdecken.
Was hat mir an der Ausbildung am besten gefallen?
Man erhält einen umfassenden Überblick über Farbedelsteine, insbesondere über jene, die in der Schmuckbranche eine zentrale Rolle spielen. Am Ende fühlt man sich bestens vorbereitet und ist in der Lage, Farbedelsteine eigenständig zu identifizieren sowie Diamanten zu graduieren. Besonders begeistert hat mich das Arbeiten mit dem Mikroskop.
Es fühlt sich an, als würde man für einen Moment in den kleinen Kosmos eines Edelsteins eintauchen und eine völlig neue Welt entdecken. Dass man anhand bestimmter Einschlüsse sogar Rückschlüsse auf die Herkunft ziehen oder erkennen kann, ob ein Stein behandelt wurde oder nicht, empfinde ich als beinahe magisch. Die Lehrenden verfügen über ein beeindruckendes Fachwissen in der Gemmologie und verstehen es zugleich, dieses äußerst anschaulich und mit großer Tiefe zu vermitteln. Selbst die für mich sonst eher schwer zugänglichen Themen aus Physik und Chemie wurden durch den praktischen Bezug und das große Gesamtverständnis plötzlich greifbar.
Was habe ich gelernt, was ich in meinem beruflichen Alltag regelmäßig anwende? Was mache ich heute beruflich?
Seit September 2024 leite ich die Abteilung Schmuck und Uhren des internationalen Kunstauktionshauses VAN HAM in Köln.
Die Erkennung von Edelsteinen gehört nahezu täglich zu meinem beruflichen Alltag, ebenso wie die Graduierung von Diamanten. Auch eine erste Einschätzung der Herkunft, insbesondere bei Smaragden, Saphiren und Rubinen, kann in unserem gemmologischen Labor vorgenommen werden.
Gerade im Auktionswesen begegnen einem täglich neue Schmuckstücke und Edelsteine, bei denen dieses Fachwissen kontinuierlich gefragt ist. Das Interesse an Farbsteinen und Diamanten wächst stetig, und mir ist es wichtig, mich fachlich immer auf dem neuesten Stand zu halten, weshalb ich die Fortbildungsseminare sehr schätze.
Was ist mein Lieblingsedelstein?
Einen einzigen Lieblingsedelstein habe ich nicht – jeder ist auf seine eigene Weise faszinierend. Besonders spannend finde ich allerdings den Alexandrit. Dass ein Edelstein je nach Lichteinfall seine Farbe verändern kann, wirkt beinahe schon unnatürlich.
Es erstaunt mich immer wieder, was die Natur erschaffen hat. Edelsteine sind dafür ein wunderbares Beispiel: Allein die Vorstellung, dass dieses Material vor Milliarden von Jahren unter extremen, kaum vorstellbaren Kräften entstanden ist, finde ich unglaublich beeindruckend.
Durch das menschliche Zutun lässt sich diese natürliche Schönheit dann noch weiter hervorheben, etwa durch gezielte Schliffe, die dem Stein seine volle Ausdruckskraft verleihen. Diamanten gehören zwar nicht zu meinen persönlichen Favoriten, doch die Brillanz, die man aus einem natürlichen Material herausholen kann, ist absolut faszinierend.
Ein großer Dank gilt dem gesamten Team der DGemG, das sein außergewöhnliches Fachwissen mit so viel Leidenschaft und Engagement vermittelt. Ich blicke auf die Ausbildung mit ausschließlich bester Erinnerungen zurück.

Dipl.-Betriebswirt Hubertus Drabarczyk vel Grabarczyk ist Geschäftsführer des Juweliersbereich bei EPPLI. Er ist ausgewiesener Experte für Antikschmuck, Juwelen, Perlen und Uhren, sowie Gemmologe und Diamantgutachter (F.G.G., E.G.). Er leitet im Stuttgarter Auktionshaus EPPLI den Bereich Private Sales und arbeitet als Experte für Schmuck und Juwelen und als Gutachter in der Bewertung von hochwertigem Schmuck, Juwelen, Farbedelsteinen, Diamanten und Uhren. Außerdem führt er das zum Auktionshaus EPPLI gehörende High-Jewelry Juweliersgeschäft am Stuttgarter Marktplatz und entwirft in Zusammenarbeit mit hauseigenen und externen namhaften Goldschmieden hochwertigen Juwelenschmuck.

