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DGemG-Tagung 2026 - Perlen und Zuchtperlen
Am 18. und 19. April 2026 veranstaltete die Deutsche Gemmologische Gesellschaft e.V. ihre diesjährige Arbeitstagung. Thematisch stand das Wochenende im Fokus der Perlen und Zuchtperlen.
Die Tagung begann am 18. April mit einer Vortragsveranstaltung in der Göttenbach-Aula in Idar-Oberstein, zu der wir über 130 Teilnehmende begrüßen durften. Besonders gefreut hat uns die Internationalität – mehr als die Hälfte der Teilnehmenden stammte aus unseren Nachbarländern Polen, Tschechien, Österreich oder der Schweiz. Die weiteste Anreise hatte ein Teilnehmer aus den USA.
Das Rednerfeld zur DGemG-Tagung 2026 (von links nach rechts): Dr. Tom Stephan (DGemG), Prof. Dr. Stefanos Karampelas (Universität Thessanloniki, Griechenland), Dr. Akitsugu Sato (SSEF, Schweiz), Christine Lucia Matter (DGemG), Dr. Thomas Lind (DGemG) Dr. Olga M. Hajduk (Universität Krakau und Präsidentin des SRJ, Polen), Dr. Claudio C. Milisenda (DSEF), Niels Ruddy Hansen (Dänemark), Dr. Ulrich Henn (DGemG). Foto: Cornelia Heinz, CH Photodesign, Idar-Oberstein.
Eröffnet wurde die Tagung durch Dr. Thomas Lind, den Präsidenten der DGemG, der in seiner Einleitung die Bedeutung der Perlen und Zuchtperlen durch alle Epochen der Menschheitsgeschichte hindurch betonte. Dr. Tom Stephan, Geschäftsführer der DGemG, leitete in seinem Einführungsvortrag in die Tagungsthematik ein und stellte die wichtigsten Begriffe und nomenklatorischen Aspekte vor, sowie im Allgemeinen die Perlbildung bzw. Perlzucht.
Unsere Lehrgangsleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin Christine Lucia Matter diskutierte in ihrer Präsentation „Pearls Through Time: A Historical Overview“ die historische Entwicklung der Perlen und Zuchtperlen von Beginn in der Antike bis zum heutigen Markt, der vor allem durch Zuchtperlen dominiert wird. Eindrucksvoll legte sie dar, dass Perlen mehr als nur biologische Gebilde oder Luxusobjekte mit einem bestimmten Geldwert sind, sondern Kulturgüter mit tiefer Bedeutung, anhand derer sich historische Transformationen nachvollziehen lassen, beispielsweise im Handel und in Glaubenssystemen, Autoritätsstrukturen und technologischen Innovationen. Anders als Edelsteine mineralischen Ursprungs benötigten Perlen weder Schliff noch Politur, sie galten vom Zeitpunkt ihres Fundes als vollendet.
Dr. Olga M. Hajduk, Kunsthistorikern an der Universität Krakau sowie Präsidentin des SRJ in Polen, fokussierte sich in ihrer Präsentation „The Lustre of Prestige: Pearls in Renaissance Jewellery“ im Besonderen auf die Epoche der Renaissance. Anhand Bildmaterial historischer Schmuckstücke, speziell insbesondere jedoch anhand von historischen Gemälden ging sie detailreich auf die kulturelle Bedeutung der Perlen ein und diskutierte stilistische Aspekte des Perlschmucks dieser Zeit.
Mit der Untersuchung von Perlen und Zuchtperlen im gemmologischen Labor im Allgemeinen befasste sich anschließend Dr. Claudio C. Milisenda in seinem Vortrag „Pearls in the Laboratory“. Von makro- und mikroskopischen Beobachtungen, über spektroskopische und röntgenographische Untersuchungen bis hin zu weiterführenden Methoden wie Alters- und Artenbestimmungen stellte er im Allgemeinen die Möglichkeiten dar, die sich -je nach Verfügbarkeit von Geräten- in der Praxis ergeben, um natürliche Perlen und Zuchtperlen zu unterscheiden oder auch Behandlungen nachzuweisen. Mit seinem Vortrag bereitete er gewissermaßen auch auf die Workshops vor, in denen die Teilnehmenden sonntags eigenständig praktisch arbeiten konnten.
Einige der Teilnehmer/innen. Foto: Cornelia Heinz, CH Photodesign, Idar-Oberstein.
Das Nachmittagsprogramm eröffnete Dr. Akitsugu Sato vom SSEF in der Schweiz. Er promovierte mit molekularbiologischem Bezug und unterrichtet am SSEF unter anderem auch in den Perlenseminaren. Sein Vortrag „Formation and Gemmological Characteristics of Saltwater Cultured Pearls“ stellte im Allgemeinen die wichtigsten Salzwasserzuchtperlen (Akoya-, Tahiti- und Südsee-Zuchtperlen), ihre Produktion und Qualitäten, sowie Bestimmung dar. Er präsentierte aktuelle Produktionszahlen und ging nicht zuletzt auch auf die Herausforderungen in der Zukunft, beispielsweise bedingt durch den Klimawandel, ein.
Der anschließende Vortrag von Niels Ruddy Hansen aus Dänemark, der unter anderem über 40 Jahre Präsident der Dänischen Gemmologischen Gesellschaft war, befasste sich mit der historischen Entwicklung und aktuellen Produktion von Süßwasserzuchtperlen, speziell aus China. Unter dem Titel „The Development of Freshwater Pearls: From Imperial Symbols to a Global Industry“ stellte er anhand vieler Eindrücke seiner eigenen Reisen in den vergangenen Jahrzehnten zu Perlfarmen in China die Entwicklung der Süßwasserzuchtperlen dar, einem Produkt was häufig als „Massenware“ angesehen wird, heute jedoch auch durch die Produktion sehr feiner Qualitäten eine immer größere Bedeutung im Luxussegment erhält.
Deutlich tiefer in die gemmologische Analytik im Labor tauchten die Teilnehmenden mit Prof. Dr. Stefanos Karampelas, Professor für Mineralogie und Gemmologie an der Universität von Thessaloniki, Griechenland, sowie wissenschaftlicher Berater am LFG Paris, ein. Er befasste sich in seinem Vortrag „Origin Determination of Natural and Cultured Pearls: From History to Modern Possibilities“ mit den Möglichkeiten und Herausforderungen der Artenbestimmung – von der Beobachtung spezieller Oberflächenstrukturen bis hin zur DNA-Analyse. Neben dem rein wissenschaftlichen Aspekt spielt die Artenbestimmung vor allem bei historischen Stücken eine große Rolle, vor allem jedoch auch bei Schmuckstücken, in denen Perlen und Zuchtperlen von geschützten Arten verarbeitet sind.
Den abschließenden Vortrag hielt Dr. Ulrich Henn, wissenschaftlicher Mitarbeiter und langjähriger Geschäftsführer der DGemG. Unter dem Titel „Curiosities of Mother-of-Pearl and Pearls“ befasste er sich mit Besonderheiten wie den Scallop- oder Quahog-Perlen, gebildet von Jakobs- bzw. Venusmuscheln, aber auch den bei Sammlern beliebten Schnecken-Perlen wie der Conch- bzw. Melo-Perle. Großes Augenmerk legte er jedoch auch auf die Verarbeitung und Verwendung von Perlmutt von Muscheln und Schnecken, woraus unter anderem auch Muschelkameen gefertigt werden. Hierbei stellte er insbesondere heraus, wie solche Stücke von Imitationen aus Kunststoff oder auch klassischen Achatgemmen unterschieden werden können.
Abgerundet wurde das Programm durch die Verleihung der Abschlussurkunden an die Absolventinnen und Absolventen unserer Bildungsgänge im letzten Jahr. Eine Übersicht über die erfolgreichen Abschlüsse erhalten Sie hier.
Zum Programmpunkt „Pearls & People“ lud die DGemG zum Abschluss des ersten Tagungstages in das Ausbildungszentrum in der Professor-Schlossmacher-Straße ein. Beim gemütlichen Abendessen mit Wein und Bier aus der Region wurde in ausgelassener Atmosphäre das Tagungsgeschehen revue passieren gelassen, wodurch sich interessente gemmologische und nicht-gemmologische Gespräche ergaben.


Zum zweiten Tagungstag am 19. April begrüßte die DGemG erneut alle Teilnehmenden im Ausbildungszentrum. In drei Lehrsälen bestand die Möglichkeit Perlen und Zuchtperlen zu untersuchen. Von der Unterscheidung von Perlen/Zuchtperlen von Imitationen, über die Unterscheidung von Natur- und Zuchtperlen mittels Mikroskopie und Röntgenmethoden, bis hin zum Nachweis von Behandlungen über mikroskopische und spektroskopische Untersuchungen, sowie der Erkennung von Besonderheiten bei Perlen und Perlmutt, konnten die am Samstag in der Theorie erlernten Aspekte praktisch vertieft werden. Eine Besonderheit für viele Teilnehmende war die Vorstellung eines mobilen Röntgenfluoreszenzanalysegeräts, das von Michal Horszowski vom SRJ in Polen vorgeführt wurde, mit welchem einfach und zerstörungsfrei Salzwasser- von Süßwasser-Perlen und -Zuchtperlen unterschieden werden können.

Parallel bot sich die Gelegenheit, die vielfältigen Exponate aus der Lehr- und Referenzsammlung der DGemG zu besichtigen, die Schalen, Perlen und Zuchtperlen aller gängigen Arten umfasst. Höherwertige Stücke konnten dankenswerterweise in Vitrinen betrachtet werden, wofür uns die Firma A. Ruppenthal KG in Idar-Oberstein eine Auswahl an feinen Zuchtperlen zur Verfügung stellte, und die Firma Global Gems, Idar-Oberstein eine Auswahl von Naturperlen bzw. Naturperlenschmuck. Ein Highlight war zudem der Besuch von Daniel Moesker aus den Niederlanden, der eine herausragende Sammlung von besonderen Perlen und Objekten präsentierte, wie Conch-, Melo- und Abalone-Perlen, einschließlich besonderen Schmuckstücken, aber auch Sammlerobjekten wie fossilen Perlen. Auch hierfür sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Ein Teil der Sammlung von Daniel Moesker. Foto: Cornelia Heinz, CH Photodesign, Idar-Oberstein.
Im Nachgang haben wir uns sehr über das durchweg positive Feedback aller Teilnehmenden gefreut. Speziell herausgestellt wurde die besondere Verknüpfung von Theorie und Praxis, für welches unser Ausbildungszentrum mit unserer Ausstattung an Geräten sowie umfangreichen Sammlung die perfekte Grundlage bietet.
In den nächsten Wochen und Monaten werden wir Sie mit weiteren Informationen und Nachlesen einiger Vorträge versorgen. Zum Einstieg sei hier nochmals auf vergangene Beiträge aus den letzten Jahren hingewiesen, die sich mit der Thematik „Perlen und Zuchtperlen“ befassten:
Zur Farbe von Perlmutt, Perlen und Zuchtperlen - Dr. Ulrich Henn & Benjamin Huaysan, DGemG
Künstliche Farbveränderungen bei Perlen und Zuchtperlen - Dr. Ulrich Henn & Benjamin Huaysan, DGemG
Raritäten bei Perlen und Perlmutt - Dr. Ulrich Henn, DGemG

