Zusammenfassung
Das Labor der Deutschen Stiftung Edelsteinforschung hatte das Privileg, den Trauring der Katharina von Bora zu untersuchen, deren Hochzeit mit dem Reformator Martin Luther sich im Jahr 2025 zum 500. Male jährt. Der Goldring, einer der bekanntesten Schätze des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig, besteht aus zwei Teilen, einem inneren schmalen Goldreif und einem äußeren Arma Christi-Ring mit einem lebhaften Rubin. Die physikalischen und chemischen Eigenschaften stimmen mit denen von Rubinen aus dem Gebiet von Mogok in Burma überein und geben damit einen weiteren Hinweis auf den Handel mit Edelsteinen zwischen Europa und Asien im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert.
Einleitung
Museen bieten die einzigartige Möglichkeit, die Echtheit und Herkunft historischer und berühmter Schmuckstücke und die darin enthaltenen Edelsteine mit Hilfe moderner analytischer Methoden zu untersuchen. Die Anwendung von mobilen Spektrometern hat dazu geführt, dass solche Untersuchungen auch vermehrt vor Ort durchgeführt werden können.
Weiterhin können dadurch Rückschlüsse auf die Verwendung von Edelsteinen in Schmuckstücken für bestimmte Anlässe wie etwa Hochzeiten oder Verlobungen im Laufe der Zeit gezogen werden (Molesworth, 2024; Pointon, 1997).
Ein ganz besonderer Fall ist der Edelstein, der in dem Ehering von Katharina von Bora, der Frau des Reformators Martin Luther, gefasst ist. Das allgemein als Lutherring (Abb. 1) bezeichnete Exemplar gehört zur Sammlung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig und ist dort im Alten Rathaus ausgestellt. Während die Echtheit und Geschichte des Rings aus der Zeit um 1500 gut beschrieben und dokumentiert ist (Röhrs, 2021), wurde der eingefasste Stein selbst noch nicht mit gemmologisch-analytischen Mitteln untersucht.
Die gemmologische Untersuchung des Edelsteins im Lutherring war der Höhepunkt von fast zwei Jahrzehnten Interesse und Forschung eines der Autoren, Takahito Mori, der erste Informationen über den offensichtlich mit einem Rubin besetzten Ring, der mit Martin Luther in Verbindung gebracht wird, von den japanischen Schmuckexperten Yasukazu Suwa und Michiko Shimomura erhalten hatte. Dies veranlasste ihn 2022 zu einem ersten Besuch im Historischen Museum der Stadt Leipzig, wo die direkte Betrachtung des Rings visuelle Merkmale bestätigte, die mit Rubinen aus der Region Mogok in Burma (heute Myanmar) übereinstimmen – einem Gebiet, das seit vielen Jahrhunderten für die Produktion von hochwertigem Korund bekannt ist (Hughes et al., 2017).
Im Juli 2024 wurde eine erste, röntgendiffraktometrische Untersuchung im Institut für anorganische Chemie der Universität Leipzig durchgeführt und die Identität Korund bestätigt (Prof. em. G. Klöß, pers. comm.). Um die Identität und natürliche Herkunft des Rubines sowie seine vermutete burmesische Herkunft zu bestätigen, strebte Mori eine umfassendere Analyse der gemmologischen Eigenschaften des Steins an.
Das Gübelin Gem Lab in der Schweiz bot seine Unterstützung an, um Wege zur Analyse dieses historisch bedeutenden Stücks zu finden, welches das Land nicht verlassen durfte.
Die Leitung des Museums in Leipzig kontaktierte dann die Deutsche Stiftung Edelsteinforschung (DSEF), in dessen Laboreinrichtungen der Ring im März 2025 gemeinsam (CM, KS, UD, JG, TM) untersucht wurde. Neben dieser Publikation ist auch eine englischsprachige Version im Journal of Gemmology eingereicht (Nyfeler et al., in Vorb.).
Diese Ausgabe von Gemmologie - Zeitschrift der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft e.V. ist für Mitglieder im Online-Archiv abrufbar.
Für alle Interessierten ist das Heft in Druckform bei der DGemG erhältlich:

Inhalt des Hefts 3/4 Dezember 2025
U. HENN
Die Edelsteine aus dem Steinkaulenberg, Idar-Oberstein
Eine mineralogisch-gemmologische Betrachtung unter besonderer Berücksichtigung der Farbursachen und Einschlussparagenese
U. KEMPE, D. WEBER, R. KLEEBERG, K. UNGER, A. MASSANEK, M. MROZIK, M. WAGNER
Über die Materialanalyse zur Herkunftsbestimmung chinesischer Specksteinfiguren
CLAUDIO C. MILISENDA, DANIEL NYFELER, ULRIKE DURA, KLAUS SCHOLLENBRUCH, JIN GUO und TAKAHITO MORI
Gemmologische Untersuchung des Rubins im Ring der Katharina von Bora („Lutherring“)




